Lindau (epd). Das Wort zu achten, in all seinen Spielarten: Dazu fordere Gott die Christen heraus, sagte der evangelische Landesbischof Christian Kopp in seiner Predigt zum Reformationsfest am Sonntag in Lindau. Die Menschen seien aufgerufen, Verantwortung für ihre Worte zu übernehmen. "Worte wirken", sagte Kopp laut Manuskript. "Worte beeinflussen unser Leben massiv." In St. Stephan in Lindau predigte Kopp gemeinsam mit Jugendlichen in dem TV-Gottesdienst, der live vom BR Fernsehen übertragen wurde - vor dem Reformationstag, den Christen am 31. Oktober feiern.

Als Landesbischof erlebe er oft, wie Worte verletzen und Menschen beschädigen können, sagte Kopp. Dagegen könnten Worte auch erleichtern und heiter stimmen: In einer Liebeserklärung sei es "ein Wörtlein, und die Welt ist eine andere".

Aus der Reformationshymne "Ein feste Burg"

Zu Martin Luthers Vers "Ein Wörtlein kann ihn fällen" im Reformationslied "Ein feste Burg ist unser Gott" sagte Kopp: Er träume oft davon, dass mit einem Schnipsen alles anders werde. Luther dichte über den bösen Fürsten dieser Welt, den Teufel, dem Gott nur ein Wörtlein entgegenzusetzen brauche. Christen fänden das entscheidende Wort bei Gott: "In der Heiligen Schrift finden sich solche Wörtlein, die der Wahrheit ans Licht verhelfen."

Luther sei ein Meister des Wortes gewesen und habe die Bibel geliebt. Er habe gesagt: "In der Bibel redet Gott selbst mit uns wie ein Mensch mit seinem Freund", zitierte ihn der Landesbischof. Aufgabe der Christen sei, das Gotteswort in ihren Menschenworten gut zu bewahren.

Die guten Worte ins Leben holen

Zudem gilt es laut Kopp, sich die guten Worte immer wieder ins eigene Leben zu holen, etwa den Konfirmationsspruch von früher. Jeder habe seine eigene Art, das Gute hereinzulassen. Dabei sei es "wichtig, dass wir uns das gute göttliche Wort sehr nahe halten".

Den Jugendlichen, die eigene Texte lasen, drückte der Landesbischof sein Verständnis aus. "Ihr wollt gestalten. Ihr habt Ideen. Ihr wisst, wofür ihr steht" - und zugleich erlebe ihre Generation so viele Krisen und Kriege: "Mit zwanzig Jahren sollte die Zukunft nicht etwas sein, vor dem man sich schützen muss." Seit der Reformation sei gelernt worden, wie wichtig die Freiheit des Einzelnen sei. Freiheit gebe es dabei nur im Miteinander: "Mich berührt, wie dieses Wir in euren Sätzen immer wieder vorkommt."