Nürnberg (epd). Der evangelische Pfarrer Rainer Liepold sieht die Verwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Pfarrberuf mit gemischten Gefühlen. Die Forschung habe zwar erwiesen, dass KI Beziehungen simulieren könne, indem sie Daten auswerte, sagte er bei der Herbsttagung des bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins am Montag in Nürnberg. Ein emotional animierter Bot habe jedoch kein Empfinden und eine KI sei kein echtes Gegenüber. "Das Lagerfeuer echter Beziehungen kann man damit nicht am Leben halten", sagte der Online-Seelsorger.

Aus den Lebensdaten eines Menschen könne man die KI zwar eine Grabrede schreiben lassen oder sogar einen Chatbot programmieren, sozusagen einen "digitalen Wiedergänger" eines verstorbenen Menschen. Dann würden Algorithmen entscheiden, was von einem Menschen bleibe. Deshalb arbeite der Theologe im direkten Umgang mit Menschen nicht mit KI, denn er wolle sich ganz auf den Menschen einlassen. In einigen Bereichen der Arbeit sei die KI echten Pfarrpersonen sicherlich überlegen. "Vielleicht bin ich nicht perfekt, aber ich bin immer echt", betonte Liepold.

Theologe: Gott ist kein reiner Wunscherfüller

Authentizität sei ein Qualitätsmerkmal des Pfarrberufs, "denn Menschen wollen nicht immer die beste Lösung, sondern sie wollen Zuwendung". Die KI bringe die Gefahr, das Leistungsdenken zu verstärken und eine Beziehung auf eine reine Wunscherfüllung zu reduzieren. Wäre Gott eine KI, würde er alle Wünsche erfüllen und alle Gebete erhören, mutmaßte der Experte für Sterbe-, Bestattungs- und Trauerkultur. "Aber so ist Gott nicht." Wer dies haben wolle, glaube vor allem an sein eigenes Recht auf maximale Glücksverwirklichung.

KI könne jedoch Freiräume schaffen, um echte Beziehungen zu priorisieren, räumte Liepold ein. So könne die KI etwa eine Predigt schnell und mit gutem Ergebnis in einfache Sprache übersetzen. Er selbst sei immer noch damit beschäftigt, auszuloten, wo die KI seine Arbeit besser machen können und wo er vorsichtig sein muss. "Egal, wie wir mit KI umgehen, sie macht jedenfalls etwas mit uns", sagte der Theologe.