Wunsiedel (epd). Auch im digitalen Zeitalter bekommt die Bayreuther Regionalbischöfin Berthild Sachs noch handgeschriebene Briefe. Manchmal seien sie "voller Empörung und Unverständnis über das, was Kirche sagt oder tut", sagte Sachs laut Predigtmanuskript am Sonntag in Wunsiedel. In der evangelischen St.-Veit-Kirche predigte sie im Festgottesdienst anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Posaunenchors Wunsiedel.

Manchmal enthielten die Briefe auch berührende Rückblicke auf ein reiches Pfarrersleben, sagte Sachs - und oft seien sie "so echt und ehrlich, so glaubwürdig und direkt, wie es bei Begegnungen selten vorkommt". Im zweiten Korintherbrief vergleicht der Apostel Paulus die Christen in Korinth mit einem Brief, der von Christus geschrieben wurde.

Glaube ist keine Privatsache

"Wo eine Gemeinde selbst zum Brief wird, da ist ihr der Christusglaube eingeschrieben", sagte Sachs. Christen sei die Botschaft Gottes ins Herz eingeprägt. Der Glaube sei keine Privatsache und "keine innerliche Verschlusssache": "Als Christen sind wir kein unbeschriebenes Blatt, wir sind eine Botschaft."

Der Wunsiedler Posaunenenchor sei ein "musikalischer Brief Christi", so die Regionalbischöfin. Seine Glaubensbotschaft bestehe aus Klängen, seine Handschrift sei die Begeisterung fürs Gotteslob. Jedes Ständchen sei eine Grußkarte, jeder Choral am Friedhof ein Brief voller Trost. Seit seinem ersten Gottesdienst 1926 gehe der Posaunenchor auf 5.000 absolvierte Einsätze zu. Sachs lobte ihn für seine Experimentierfreude und gratulierte zur Pro-musica-Plakette des Bundespräsidenten.

"Entscheidend ist, was die Menschen durch euch als Gemeinde von Christus sehen und hören und erfahren", sagte Sachs. "Was wir als Kirche sagen, wird gemessen an dem, was wir tun oder nicht tun." Viele Menschen fänden einen Zugang zu Kirche und Glauben durch das, was sie mit Gemeinde vor Ort erleben, durch die Erfahrung von Gemeinschaft und Zugehörigkeit.