Christen finden sich gerade wegen ihrer Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod nach Ansicht der Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski nicht mit Krieg und Zerstörung in dieser Welt ab. "Unsere Sehnsucht nach Gottes Heil lässt uns sensibel für das Unheil sein", sagte die evangelische Theologin am Sonntag im Gottesdienst anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Ökumenischen Zentrums Lengfeld im gleichnamigen Würzburger Stadtteil: "Wir werden aufmerksam, wo Hass gesät oder Gewalt zur Normalität wird. Wir treten für Gerechtigkeit ein, wo es Menschen am nötigsten zum Leben fehlt."

Ernüchterungen und Fortschritte in der Ökumene

Bornowski erinnerte in ihrer Predigt laut Manuskript auch daran, dass die Gründung des Ökumenischen Zentrums in eine Zeit des ökumenischen Aufbruchs fiel. Beflügelt von den positiven Erwartungen nach dem zweiten Vatikanischen Konzil habe sich in Lengfeld die Idee eines gemeinsamen Hauses entwickelt. Es sei eine Zeit des Aufbruchs und der Euphorie gewesen. "In der Zwischenzeit hat es so manche Ernüchterung in der Ökumene gegeben", räumte die Regionalbischöfin ein. "Auch im Ökumenischen Zentrum in Lengfeld gab es um die Jahrtausendwende eine Krise", weil sich manche Hoffnungen nicht erfüllt hätten.

Die ökumenische Vision sei die völlige Gemeinschaft zwischen katholischer und evangelischer als einer gemeinsamen apostolischen Kirche, sagte Bornowski. Man sei "noch nicht im Paradies", doch es habe in den vergangenen 50 Jahren eben auch zahlreiche Fortschritte in der Ökumene gegeben. Neben Einigungen auf höchster Ebene - wie der ökumenischen Erklärung von Augsburg aus dem Jahr 1999 - blühe an der Basis die Ökumene nach wie vor, etwa in gemeinsamen Kinderbibeltagen oder in der Seniorenarbeit bis hin zur gemeinsamen Nutzung von Gemeinderäumen. All dies seien "Knospen am Baum der Ökumene".