Erlangen (epd). Die Stadt Erlangen hat am Freitag der Ermordung des Erlanger Rabbiners Shlomo Lewin und seiner Lebensgefährtin Frida Poeschke gedacht. Am 19. Dezember jährte sich der rechtsextremistische Anschlag mit antisemitischem Motiv zum 45. Mal. Der Erlanger Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) bezeichnete bei der Gedenkveranstaltung im Erlanger Rathaus den Doppelmord als "Angriff auf zwei Menschen, aber auch auf unsere demokratische Gesellschaft". Antisemitismus sei jedoch kein Kapitel der Vergangenheit, sondern jüdisches Leben sei weltweit bedroht.
Zur Erinnerung an die beiden Erlanger Bürger ist in diesem Jahr der "Shlomo-Lewin & Frida-Poeschke-Gedächtnispreis" von der Stadt Erlangen und dem bayerischen Innenministerium ins Leben gerufen worden. Er soll ab 2026 alle drei Jahre verliehen werden. "Dieser Preis erinnert uns daran, dass Erinnerung vor allem Verantwortung bedeutet und diese nur gelebt wird, wenn sie auch zum Handeln führt", sagte Janik. Er und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) unterzeichneten nach dem Gedenken die Richtlinien für den Preis.
Auszeichnung für zivilgesellschaftlichen Einsatz
Die Bewerbungsphase für die erste Verleihung geht bis zum 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Preis ist mit bis zu 15.000 Euro dotiert und könne als Ehrung oder Förderpreis verliehen werden, sagte Janik. Er werde für zivilgesellschaftlichen Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verliehen.
Dieser Preis setze "ein vielleicht kleines, aber wichtiges Zeichen in Erlangen und Bayern", sagte Herrmann, der Lewin und Poeschke in seiner Jugend persönlich aus der Nachbarschaft kannte. Sowohl Lewin als auch Poeschke hätten sich zu Lebzeiten für einen aussöhnenden christlich-jüdischen Dialog eingesetzt.
Ermordet im eigenen Haus
Am 19. Dezember 1980 wurden Poeschke und Lewin in ihrem Haus in der Ebrardstraße erschossen. Als Täter des ersten antisemitischen Mordanschlags in Deutschland nach 1945 gilt ein Mitglied der "Wehrsportgruppe Hoffmann" (WSG). Die Tat ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt.