Weilheim (epd). Rund 5.000 Menschen haben laut Veranstalterangaben am Samstagnachmittag in Weilheim für Demokratie demonstriert. "Wahnsinn, dass so viele Menschen aus der ganzen Region gekommen sind", sagte Ingeborg Bias-Putzier vom Bündnis "Wir in Weilheim", das die Demonstration mitorganisiert hatte, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es sei eine sehr positive Stimmung gewesen. Dabei sei deutlich geworden, dass "wir in Weilheim für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte stehen". Auch viele Kommunalpolitiker seien gekommen. "Wir haben zusammen die Demokratie gefeiert", sagte Bias-Putzier.
Anlass der Demonstration unter dem Motto "Demokratie braucht Haltung. Jetzt!", an der sich auch die Kirchen beteiligten, war die bayerische Kommunalwahl im März. Die AfD wollten die Veranstaltenden bei der Demo ausdrücklich nicht namentlich erwähnen. Dass die rechtsextreme Partei dennoch eine Rolle spielt, war offenkundig: Im August 2024 wurden Pläne der AfD bekannt, ein sogenanntes "patriotisches Kulturzentrum" im ehemaligen Starlight-Kino aufzubauen, mit Platz für mehrere Hundert Menschen. Seitdem rege sich dagegen zivilgesellschaftlicher Widerstand, sagte Bias-Putzier.
Hauptrednerin bei der Demonstration war die Direktorin der Politischen Akademie in Tutzing, Ursula Münch, die davor warnte, völkisch-autoritären Parteien zu wählen. Diese strebten einen illiberalen Staat an, in dem Minderheiten und politisch Missliebige entrechtet würden, und der höchstens auf dem Papier noch eine Demokratie sei, sagte sie.
Krisenzeiten sind Hochzeiten für völkisch-autoritäres Denken
Wer eine völkisch-autoritäre Partei wähle, weil er den "Etablierten", "denen da oben", den vermeintlich "Unfähigen", den angeblich so einseitigen Öffentlich-Rechtlichen einen Denkzettel erteilen wolle, der lasse sich auf etwas Gefährliches ein: "nämlich auf ein System und dessen Führungsclique, die die Freiheit nur noch eigenen Gesinnungsgenossen gewähren werden", warnte Münch in ihrer Rede weiter. "Heute gehört man noch dazu, morgen gerät man in Verdacht, und übermorgen steht man womöglich auf einer Liste."
Aktuell beobachtet sie einen verstärkten Zulauf zu völkisch-autoritären Bewegungen. So brächten die aktuellen Krisen - etwa die schwächelnde Wirtschaft oder das Gebaren von Wladimir Putin und den USA - schmerzhafte Umbrüche mit sich. Krisenzeiten seien Hochzeiten für völkisch-autoritäres Denken. Diese Sorgen müssten gerade von den gemäßigten Parteien ernstgenommen werden, mahnte Münch. Denn die Antipluralisten schürten diese Ängste gezielt. Die Demonstrierenden rief sie dazu auf, den demokratischen Verfassungsstaat zu schützen, indem sie Extremisten widersprächen und die demokratischen Parteien unterstützten.
Der Weilheimer Bürgermeister Markus Loth (Wählergruppe Bürger für Weilheim) verlas das im Dezember vom Stadtrat einstimmig verabschiedete "Bekenntnis zur Demokratie". Darin heißt es unter anderem, dass die Menschenwürde nicht infrage gestellt werden dürfe und Angriffe auf demokratische Institutionen nicht geduldet würden. Auch Schülerinnen und Schüler aus Weilheim und Umgebung kamen zu Wort. Sie betonten, dass die jungen Menschen Träume hätten, die nur in einer Demokratie verwirklicht werden könnten.
Pfarrer: Demokratie ist beste Regierungsform
Der evangelische Dekan Jörg Hammerbacher und der katholische Pfarrer Paul Igbo machten sich in ihren Statements ebenfalls für Demokratie und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit stark. "Als Geschöpf Gottes hat uns Gott eine einmalige und unantastbare Würde geschenkt", sagte Igbo laut Manuskript. Gott habe den Menschen auch die Sorge um das menschliche Miteinander und die Gestaltung der Welt mit auf dem Weg gegeben. "Am besten wir dies in der Regierungsform der Demokratie erfüllt."
Auch dem Moderator der Demonstration, dem evangelischen Pfarrer Jost Herrmann, ist Haltung wichtig. "Wir wollen zeigen: Demokratie ist viel mehr, als nur alle vier Jahre zu wählen." Meinungsfreiheit bedeute auch, dass man zuhören und auch andere Meinungen aushalten müsse. Das sei zwar manchmal mühsam, davon lebe aber die Demokratie", sagte der dem epd vor der Demonstration.