München, Nürnberg, Frankfurt (epd). Wegen des Verdachts des illegalen Handels mit dem Corona-Medikament Paxlovid haben Staatsanwaltschaften in Nürnberg und Frankfurt am Main Anklage gegen Apotheker, ihre Mitarbeiter und einen Zwischenhändler erhoben. Das berichtete am Mittwoch die Recherchekooperation von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung. In einem besonders spektakulären Fall müsse sich der 57-jährige Inhaber einer Apotheke aus der Frankfurter Innenstadt verantworten. Laut Staatsanwaltschaft wird ihm vorgeworfen, "die außergewöhnlich große Menge von 9.299 Packungen Paxlovid bestellt" und für rund 250.000 Euro weiterverkauft zu haben. Der Bund hatte diese Packungen für mehr als sechs Millionen Euro eingekauft und kostenfrei an Apotheken weitergegeben.
Gleich acht Beschuldigte aus vier Fällen habe die für ganz Bayern zuständige Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg den Recherchen zufolge angeklagt. Vorgeworfen werden ihnen "Untreue in Tateinheit mit vorsätzlichem unerlaubtem Großhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln", so ein Sprecher. Es gehe insgesamt um gut 11.000 Packungen Paxlovid. Beschuldigt werden eine Apothekerin aus München und ihr Mitarbeiter, die bereits seit Juli in U-Haft sitzen. In den weiteren drei bayrischen Fällen wurden demnach Apotheker, ihre Mitarbeiter und ein Zwischenhändler aus Nürnberg, Regensburg und Forchheim angeklagt. Weitere Verfahren seien noch anhängig. Die Anklagen seien noch nicht von den zuständigen Gerichten zugelassen.
Unter dem damaligen SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte der Bund Ende 2021 eine Million Packungen Paxlovid eingekauft, das bei besonders schweren Covid-Verläufen Leben retten sollte. Der Bund gab das Medikament kostenfrei an Ärzte und Apotheken ab, teilten WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung mit.