Nürnberg (epd). Eine enge Zusammenarbeit jüdischer Gemeinden sowie von Ehrenamtlichen und Einrichtungen aus Kultur und Gesellschaft will der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) realisieren. Laut Mitteilung des Kultusministeriums sagte Spaenle beim zweiten Landestreffen "Jüdisches Leben in Bayern" am Freitag: "Wenn wir uns stärker miteinander vernetzen, können wir effektiv und nachhaltig jüdisches Leben in Bayern fördern und wirksam gegen den zunehmenden Antisemitismus angehen." Als Form biete sich eine Landesarbeitsgemeinschaft an.
Dass die Leuchtturmprojekte aus dem Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" mit Förderung des Freistaats fortgesetzt werden sollen, wertete Spaenle als "wichtiges Ergebnis des Jubiläumsjahres". Dazu gehören die Digitalisierung der Archive der ehemaligen jüdischen Gemeinden in Bayern in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem, die Dokumentation jüdischer Friedhöfe und die Sammlung und Bereitstellung von Informationen über jüdisches Leben auf einer Homepage des Hauses der Bayerischen Geschichte.
Der Antisemitismusbeauftragte zog insgesamt eine positive Bilanz aus dem Festjahr. Mehr als 1.000 Veranstaltungen seien im Freistaat bis Juli 2022 durchgeführt worden. Die Bayerische Staatsregierung habe ein Gesamtkonzept zur Förderung jüdischen Lebens verabschiedet. Für die Präventionsarbeit gegen Judenhass habe seine Geschäftsstelle mehrere Veröffentlichungen herausgegeben, so Spaenle weiter. "Das vergangene Jahr war ein bewegtes und ereignisreiches Jahr." Aber es habe auch dunkle Seiten gegeben: 2021 verzeichnete die Polizei in Bayern mehr als 500 und bundesweit über 3.000 antisemitische Straftaten.
Bei dem Netzwerktreffen in Nürnberg kamen laut Mitteilung über 150 Vertreter von Israelitischen Kultusgemeinden, Vereinen und Organisationen aus Gesellschaft und Kultur sowie Behörden zusammen.