München (epd). Die Münchner Augustinum Gruppe hat den Rechtsstreit um elf ihrer 23 Seniorenresidenzen gewonnen. Der Sozialkonzern hatte die Immobilien zwischen 2011 und 2013 an die Immobilienfirma Nordic Kontor verkauft und anschließend zurückgemietet. Dabei sei das Augustinum "massiv getäuscht worden", teilte das Unternehmen mit. Wirksame Verkäufe seien aus rechtlicher Sicht deshalb "nie zustande gekommen", das Eigentum an den Immobilien habe "zu jedem Zeitpunkt dem Augustinum" zugestanden. Der Betrieb und das Leben in den Seniorenheimen sei "nie betroffen" gewesen, sagte ein Sprecher auf epd-Anfrage am Montag.
Bereits im Februar 2021 war der frühere kaufmännische Geschäftsführer des Augustinum wegen Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Eigentlicher Drahtzieher der dubiosen Geschäfte soll der 2014 verstorbene Ex-Aufsichtsratschef des Konzerns gewesen sein. Nach der Entdeckung von Unregelmäßigkeiten hatte das Augustinum 2014 selbst Strafanzeige gegen die beteiligten Personen gestellt. Ganz abgeschlossen ist die Angelegenheit noch nicht: Nach Klärung der Eigentumsfrage seien jetzt noch Schadenersatzforderungen gegen mehrere Beteiligte anhängig, teilte der Sprecher mit. Früheren Berichten zufolge geht es dabei um eine Summe von 86 Millionen Euro.
Der Rechtsstreit um die Eigentumsfrage der Häuser habe acht Jahre gedauert, weil dafür die Zivilgerichte an den elf Standorten in ganz Deutschland zuständig waren, hieß es weiter. Die Aufklärung habe "in erheblichem Maß Kräfte gebunden", erklärte der Vorsitzende der Augustinum Geschäftsführung, Joachim Gengenbach. Der "erfreuliche Abschluss" der Verfahren erleichtere es dem Unternehmen nun, "weitere Zukunftsvorhaben erfolgreich anzugehen".
Das Augustinum war 1954 in München von dem evangelischen Pfarrer Georg Rückert gegründet worden. Heute umfasst das Unternehmen 23 Senioren-Wohnstifte, ein Krankenhaus und heilpädagogische Einrichtungen, Schulen und Internate. Der Konzern beschäftigt bundesweit rund 5.500 Mitarbeitende.