Nürnberg, Berlin (epd). Das Internationale Auschwitz Komitee trauert um den ehemaligen Chefankläger im sogenannten Einsatzgruppen-Prozess der Nürnberger Prozesse, Benjamin Ferencz. "Mit Dankbarkeit, Wehmut und großer Hochachtung verabschieden sich Holocaust-Überlebende in aller Welt von Ferencz", sagte der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, am Sonntag in Berlin. Ferencz war am Freitag im Alter von 103 Jahren im US-amerikanischen Florida gestorben.

Der Einsatzgruppen-Prozess war Ferencz erster Gerichtsfall. Der Prozess ist einer von zwölf sogenannten Nürnberger Nachfolge-Prozessen. Sie erreichten in Deutschland und weltweit nicht mehr die Aufmerksamkeit, die der Hauptkriegsverbrecherprozess im Nürnberger Saal 600 erreicht hatte. Im gleichen Saal saßen 1947 insgesamt 22 hochrangige SS-Männer auf der Anklagebank, denen der damals 27-jährige Staatsanwalt Ferencz mehr als eine Million Morde vorwarf.

Ferencz sei bei seiner Auseinandersetzung mit Verbrechen in befreiten Konzentrationslagern bewusst gewesen, dass auch er zu den jüdischen Familien gehörte, die von den Nazis zum Tod in der Gaskammer bestimmt waren, sagte Heubner. Diese Eindrücke hätten sein lebenslanges Engagement für Recht, Gerechtigkeit und die Entschädigung der überlebenden Opfer geprägt.

Dabei hätten ihn nie Rachegedanken angetrieben. Sein Eintreten gegen Antisemitismus, Folter, Hass und Kriegsverbrechen sei vielmehr immer von der Überzeugung getragen gewesen, dass die Gerechtigkeit den längeren Atem haben müsse. Ferenczs Botschaft sei gerade in diesen Tagen von "beklemmender Aktualität".

Die Direktorin des United States Holocaust Memorial Museum, Sara J. Bloomfield würdigte Ferencz "unerschütterliches Streben nach einer friedlicheren und gerechteren Welt", das sich über fast acht Jahrzehnte erstreckt habe: "Er schrieb in Nürnberg Geschichte und tat dies sein ganzes außergewöhnliches Leben lang."

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