Regensburg (epd). Das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg widmet dem Thema "Flucht, Vertreibung und Integration" eine Sonderausstellung. 75 Jahre nach den Ereignissen von 1945/46 stehen im Zentrum der Schau "Neuanfänge - Heimatvertriebene in Bayern" neben Unternehmensgeschichten, Biogramme und Interviews von Zeitzeugen, teilte das Haus der Bayerischen Geschichte am Mittwoch zur Eröffnung mit.

Glaswaren aus Konstein im Landkreis Eichstätt, Nylonstrümpfe aus Immenstadt im Allgäu oder Back- und Puddingpulver aus Barbing bei Regensburg: Diese Produkte stehen für die Unternehmensgeschichten der Firmen Phönix, Kunert und Ernst Müller, erfolgreiche Gründungen von Heimatvertriebenen.

Die Firmengeschichten spiegeln laut Museum Kontinuitäten, Brüche und Neuanfänge im Leben der Vertriebenen wider. So auch bei Wenzel Meinl. Bis zum Zweiten Weltkrieg war Meinl mit seiner Werkstatt für Blechblasinstrumente in Graslitz (Kraslice) im Sudetenland ansässig. Nach der Vertreibung beginnt die Familie ihre Werkstatt in einem ehemaligen Militärbunker in Geretsried wiederaufzubauen. Bis heute werden in Geretsried hochwertige Instrumente in Handarbeit gefertigt. In der Ausstellung ist ein Flügelhorn aus der Zeit der Neugründung des Betriebs zu sehen.

Die Integration der Heimatvertriebenen in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg sei "eine der größten Herausforderungen der jüngeren bayerischen Geschichte" gewesen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten gelte sie als Erfolgsgeschichte, so die Museumsleitung: "Das Wirtschaftswunder als Gemeinschaftsleistung der alten und neuen Bayern hat dabei den Abbau von gegenseitigen Vorurteilen und die dauerhafte Integration begünstigt."

Die Ausstellung ist bis 15. April 2022 in der Bavariathek, dem Projektzentrum des Hauses der Bayerischen Geschichte, am Regensburger Donaumarkt zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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