München (epd). Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat der ehemaligen Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch zu deren 90. Geburtstag an diesem Samstag (29. Oktober) gratuliert und ihr für ihre besonderen Verdienste gedankt. Knobloch stehe für ein Judentum, das trotz des Holocausts "Ja zum Leben" sage und das Deutschland "auch in größter Anfechtung angesichts antisemitischer Gewalt in Worten und in Taten nicht aufgegeben habe", zitiert die evangelische Landeskirche aus einem Glückwunschschreiben Bedford-Strohms an Knobloch.
Knobloch wurde am 29. Oktober 1932 in München als Tochter des Rechtsanwalts Fritz Neuland geboren. In einem Versteck in Franken überlebte sie den Holocaust und kehrte 1945 nach München zurück. Seit 1982 wirkt sie im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ist seit 1985 deren Präsidentin. Unter ihrem Vorsitz wurde in München am 9. November die neue Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob eröffnet, im März 2007 folgten das Gemeindezentrum sowie das von der Stadt München erbaute und betriebene Jüdische Museum.
Sie war zudem Jahre Vizepräsidentin und von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Ferner war sie über mehrere Jahre Vizepräsidentin im European Jewish Congress und im World Jewish Congress. Für letzteren ist sie bis heute als Beauftragte für das Holocaust-Gedenken tätig. An diesem Sonntag (30. Oktober) wird Knoblochs Leben und Wirken bei einer Feierstunde in München gewürdigt, daran nehmen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) teil.
In Bedford-Strohms Schreiben heißt es weiter: Es sei ein "Segen, dass Sie bis ins hohe Alter so präsent sind und mit uns gemeinsam für Menschenwürde, Toleranz und Demokratie einstehen". Auch der katholische Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx würdigte Knoblochs jahrzehntelanges Engagement für den jüdisch-christlichen Dialog und ihren Einsatz für Versöhnung. Er danke Knobloch "für das unerschütterliche Vertrauen", das sie "in die Kirchen und die christlichen Dialogpartner gesetzt" habe und immer wieder setze, sagte Marx.