Berlin, München (epd). In Deutschland warten mehr als Hunderttausend Ausländer nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" zum Teil seit Jahren auf eine Einbürgerung. Die Behörden kämen der Bearbeitung der Anträge vielerorts nicht hinterher, wie eine Umfrage der Zeitung bei den 25 einwohnerstärksten Städten ergeben habe.

In Berlin seien rund 26.000 Anträge anhängig, davon 10.000 aus dem Jahr 2021. In München seien etwa 10.000 Gesuche zur Einbürgerung in Bearbeitung. In allen anderen angefragten Großstädten stapelten sich jeweils Anträge in mindestens vierstelliger Höhe, heißt es in dem Bericht. Selbst wenn das Verfahren in die Wege geleitet ist, dauere es in vielen großen Kommunen zwölf bis 18 Monate, zum Teil aber auch bis zu drei Jahren, bis der deutsche Pass ausgestellt sei.

Gründe für die Wartezeit gebe es mehrere: Zum einen sei in den vergangenen Jahren die Zahl derer, die eine Einbürgerung wünschen, angestiegen. Zum anderen fehle Personal, um dem gerecht zu werden. Gleichzeitig hätten die gesetzlichen Regelungen zugenommen, die Verfahren seien komplexer geworden.

Für die Wartenden seien die Verfahren "sehr ermüdend und unüberschaubar" geworden, kritisierte der Vorsitzende des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat, Memet Kilic, in der Zeitung. Jeder Tag des Wartens senke die Motivation zur Einbürgerung und verwehre Migranten ihnen zustehende Teilhaberechte.