Ulm (epd). Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat am Dienstag (28. Februar) die Ausstellung "Auftakt des Terrors. Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus" im Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm eröffnet. Die Ausstellung erinnere an ein bis heute weitgehend unbekanntes Kapitel des NS-Terrors, die frühen Konzentrationslager, sagte sie als Schirmherrin des Projekts.
Für die politischen Gegner der Nationalsozialisten seien diese Lager Orte der Einschüchterung, der Gewalt und des Terrors gewesen, für die Nationalsozialisten ein Mittel zur Etablierung ihrer Macht. Den Schicksalen der Verfolgten nachzugehen und die Rolle der frühen Konzentrationslager auf dem Weg hin zur NS-Terrorherrschaft auszuleuchten, mache dafür sensibel, wie fragil die Demokratie sei, sagte Roth.
90 Jahre nach dem Reichstagsbrand und dem Erlass der "Verordnung zum Schutz von Volk und Staat" vom 28. Februar 1933 zeigt die Ausstellung, wie schnell die demokratischen Grundrechte außer Kraft gesetzt wurden und mit welcher Brutalität sich der Staatsterror gegen die politische Opposition richtete. Die Namen der großen Konzentrations- oder Vernichtungslager wie Buchenwald oder Auschwitz seien heute vielen Menschen bekannt, sagte Nicola Wenge, Leiterin des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg und Vertreterin der AG "Gedenkstätten an Orten früher Konzentrationslager".
Aber nur wenige hätten schon einmal von den frühen Konzentrationslagern wie Ahrensbök oder Breitenau gehört. Sie seien in den ersten Monaten der NS-Diktatur eingerichtet und teils schon nach wenigen Wochen oder Monaten wieder geschlossen worden. "Das nationalsozialistische Regime erprobte dort Instrumentarien der Gewalt. Der Weg in den millionenfachen Massenmord war damit noch nicht vorgezeichnet, aber geebnet. Die frühen Konzentrationslager markierten den Auftakt des Terrors", hieß es in der Mitteilung des Dokumentationszentrums.
Trotzdem sei das Thema bis heute in der öffentlichen Wahrnehmung des Nationalsozialismus unterrepräsentiert. Deshalb hätten sich 17 kleine und große Gedenkstätten aus elf Bundesländern zusammengeschlossen und gemeinsam die Ausstellung erarbeitet. Sie beleuchte erstmalig im sogenannten "reichsweiten" Vergleich die Rolle und Funktion der frühen Konzentrationslager. Erzählt werde die Geschichte vom Weg in die Diktatur bis zum Gedenken nach 1945 anhand zahlreicher Biografien und noch nicht veröffentlichen Quellenmaterials zu Orten, Tätern und Verfolgten. So würden Gemeinsamkeiten und Unterschiede greifbar.
Die Ausstellung wird bundesweit in mehreren Ausfertigungen teils gleichzeitig gezeigt. In Ulm ist sie bis 17. Dezember zu sehen und wird durch Führungen, Symposien, Exkursionen und eine Lehrerfortbildung ergänzt. Die Ausstellung wurde durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" gefördert, das pädagogische Begleitprogramm durch die Bundeszentrale für politische Bildung.