München (epd). Zum Start des neuen Schuljahres hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Bayern vor den Folgen einer unzureichenden und unkoordinierten Bildungspolitik im Freistaat gewarnt. "Steigende Schülerzahlen, Lehrkräftemangel und fehlende Ganztagsangebote setzen Bayerns Schulen dauerhaft unter Stress", sagte DGB-Landeschef Bernhard Stiedl laut Mitteilung am Samstag. Leidtragende seien vor allem Kinder, Eltern und Lehrkräfte.
Besonders betroffen sind demnach berufstätige Eltern, wie Zahlen aus dem Mikrozensus zeigen: In Bayern arbeiteten 2023 rund 80 Prozent der Mütter mit Kleinkindern in Teilzeit - oft, weil zuverlässige Betreuungsplätze fehlen. "Das ist eine unfaire Doppelbelastung und ein volkswirtschaftlicher Schaden, den wir uns nicht leisten können", so Stiedl. Kritik übt der DGB auch am schleppenden Ausbau der Ganztagsbetreuung: Von 461 Millionen Euro Bundesmitteln wurden bisher nur 1,3 Prozent abgerufen: "Wer den Ganztagsausbau verschleppt, hält Familien in der Teilzeitfalle fest."
Beim Personal herrsche ebenfalls Chaos: Während an weiterführenden Schulen Lehrkräfte fehlen, droht Grundschullehrkräften künftig die Arbeitslosigkeit. "Dieses Nebeneinander von Mangel und Überschuss ist ein bildungspolitischer Offenbarungseid", sagte Stiedl. Der DGB Bayern fordert deshalb einen Neustart: Ganztagsangebote ausbauen, Bundesmittel nutzen und die Lehrkräfteplanung verbessern. Schule dürfe keine private Elternsorge bleiben, sondern müsse als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden.