Altdorf, Stuttgart (epd). Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) warnt vor hormonaktiven Substanzen in Weihnachtsgeschenken für Kinder. Viele beliebte Produkte, von Plastikspielzeug über Kuscheltiere bis zu elektronischen Geräten, könnten Stoffe enthalten, die das Hormonsystem beeinflussen, teilte die DGE mit Sitz in Altdorf bei Nürnberg am Montag mit. Besonders Kleinkinder seien durch häufigen Hautkontakt und das typische "in-den-Mund-nehmen" gefährdet.

Schon kleine Mengen sind schädlich

Sogenannte "Endokrine Disruptoren" könnten schon in kleinen Mengen die Funktion von Hormonen beeinflussen, heißt es in der Mitteilung weiter. Dazu zählten etwa Phthalate, Bisphenole, bromierte Flammschutzmittel, PFAS, Schwermetalle und Pestizid-Rückstände. Viele dieser Substanzen fänden sich in Kunststoffen, Lacken, Beschichtungen oder Textilien und wurden wiederholt auch in Kinderspielzeug nachgewiesen. Auch ältere Kunststoffe aus zweiter Hand sind teils noch mit Stoffen belastet, die in der EU schon lange verboten sind.

Die Störung von körpereigenen Hormonsignalen kann laut DGE zu Problemen beim Wachstum und Stoffwechsel, bei Entwicklung und Fruchtbarkeit führen. Die DGE warnt insbesondere vor günstigen Importwaren, die vor allem über große Online-Marktplätze verbreitet werden. "Wir sehen, dass besonders preiswerte Produkte aus dem Internet wiederholt durch hohe Schadstoffgehalte aufgefallen sind", sagt Josef Köhrle, Seniorprofessor vom Institut für Experimentelle Endokrinologie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin, laut Mitteilung.

Köhrle plädiert daher für konsequente politische Maßnahmen: "Wir brauchen dringend die Umsetzung der EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit von 2020 durch unsere deutschen Behörden. Danach werden hormonaktive Stoffe genauso streng bewertet wie krebserregende oder erbgutschädigende Substanzen und dürfen deshalb nicht mehr in den Verkehr gebracht werden, schon gar nicht in Kinderspielzeug."

Neues Spielzeug erst mal auslüften

Verbrauchern empfiehlt die DGE, aufdringlich riechende Waren zu meiden und alte Kunststoffartikel möglichst nicht weiterzugeben. Wo möglich, sollten neue Spielzeuge vor dem ersten Gebrauch ausgelüftet und waschbare Produkte gereinigt werden. Wichtig sei zudem ein kritischer Blick auf No-Name-Produkte aus Online-Shops sowie - im Zweifel - ein Blick in die europäischen und nationalen Rückrufdatenbanken.

Die 1953 gegründete Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ist mit rund 1.600 Mitgliedern eine der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaften für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen in Europa.