München (epd). Mehrere hunderttausend Menschen in Bayern stellen jedes Jahr einen Antrag auf Feststellung oder Verschlimmerung einer Behinderung. Für sie werde dieser Weg jetzt "leichter und schneller", weil das Verfahren seit Anfang November 2025 vollständig digital erfolge, teilte das bayerische Sozialministerium am Montag mit. Neue Verfahren würden ab sofort papierlos abgewickelt. Wer seinen Antrag online stellt, könne davon ausgehen, dass er damit die Wartezeit für seinen Schwerbehindertenausweis verkürze.
Umgesetzt werde die Digitalisierung im Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS). Wie umfangreich und weitreichend die Voll-Digitalisierung im Schwerbehinderten-Antragswesen ist, zeigen laut Mitteilung die Zahlen: Im Jahr 2024 sind demnach mehr als 270.000 neue Anträge auf Feststellung einer Behinderung eingegangen. Die Summe der Verfahren im Schwerbehindertenrecht belaufe sich auf rund 350.000 Vorgänge pro Jahr.
Mehr als zwei Millionen Behinderte in Bayern
Insgesamt leben in Bayern mehr als zwei Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung. "Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik im Jahr 1978", sagte Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU). 2025 werde dieser Wert noch einmal übertroffen werden.
Bislang wurden die Akten in Papierform geführt - meist lebenslang und damit oft über viele Jahrzehnte, begründet das Sozialministerium die Umstellung. Der Umfang einer Akte bewege sich zwischen 50 und 500 Seiten. Gehe man von 100 Seiten als Durchschnitt einer Akte aus, ergeben sich demnach insgesamt rund 200 Millionen Seiten. Aneinandergelegt wären sie 60.000 Kilometer lang, das entspräche dem Eineinhalbfachen des Erdumfangs, heißt es.