Hamburg, München (epd). Der ehemalige Chefdirigent des heutigen NDR Elbphilharmonie Orchesters, Christoph von Dohnányi, ist tot. Er starb wenige Tage vor seinem 96. Geburtstag in München, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am Montag in Hamburg mitteilte. Von Dohnányi leitete das NDR-Orchester von 2004 bis 2011.
NDR-Intendant Hendrik Lünenborg nannte von Dohnányi "eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des internationalen Musiklebens" und einen "Visionär und Wegbereiter der Elbphilharmonie". Lünenborg erinnerte an "die umjubelten New Yorker Konzerte 2007 in der Carnegie Hall und vor den Vereinten Nationen zum 50. Jahrestag der Römischen Verträge". Der NDR schrieb: "Sein Ruf der Akkuratesse und Genauigkeit führte zu einer tiefen Verbindung mit dem Orchester, dessen Klang er auf unverwechselbare Weise prägte. Seine künstlerische Vision und sein hoher Anspruch waren auch Grund dafür, die klassische Musik stärker ins mediale Rampenlicht zu rücken."
Als Gastdirigent trat von Dohnányi regelmäßig an großen Opernhaus-Adressen wie Wien, London, Paris und Zürich sowie bei den Salzburger Festspielen auf. In Hamburg war er bereits von 1978 bis 1982 als Chefdirigent und Intendant der Staatsoper Hamburg tätig. Zuvor hatte er als Generalmusikdirektor und Operndirektor die Frankfurter Oper geleitet. Fast zwei Jahrzehnte leitete er in den USA das Cleveland Orchestra.
Von Dohnányi hatte Komposition, Klavier und Dirigieren an der Hochschule für Musik und Theater München studiert und 1951 zum Abschluss seines Studiums den Richard-Strauss-Preis der Stadt erhalten. Vater des verstorbenen Musikers war der im April 1945 hingerichtete Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Hans von Dohnányi, sein Onkel der ebenfalls im April 1945 hingerichtete Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer.