Flossenbürg, New York (epd). Der ehemalige KZ-Häftling Jack Terry ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Das teilte der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skiebeleit, am Donnerstag mit. Terry starb am vergangenen Sonntag (31. Oktober) in Bayern. "Er war schwer erkrankt und schied selbstbestimmt aus dem Leben", sagte Skriebeleit. Zuerst hatte der "Neue Tag" darüber berichtet.

"Deutschland hat einen wichtigen Zeitzeugen, wir einen engagierten Mitstreiter verloren", erklärte der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, am Freitag.

Auch Michael Piazolo, Kultusminister und Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, würdigte Terry. Sein Tod sei "ein großer Verlust für Bayern". Als Sprecher der ehemaligen Häftlinge des KZ Flossenbürg und Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Bayerische Gedenkstätten sei Terry ein Mahner gegen das Vergessen des Naziterrors gewesen. "Mit seiner Geschichte und seiner Persönlichkeit stand er für Toleranz und Versöhnung". 2007 wurde er mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt.

Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit, sagte, Jack Terry habe sich viele Jahre lang für die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen im KZ Flossenbürg eingesetzt. Den Begriff "KZ Überlebender" habe er genauso wie den des Zeitzeugen abgelehnt. Er habe sich nicht als solcher definieren und vereinnahmen lassen wollen. Obwohl er jahrelang zu den Gedenkfeiern zur Befreiung des KZ Flossenbürg kam, seien ihm die politischen Konsequenzen aus dem Holocaust zu wenig konkret gewesen, das bei den Gedenkfeiern vorgebrachte "Nie wieder!" zu ritualisiert vorgekommen, erläuterte Skriebeleit, den eine jahrelange Freundschaft mit Terry verband.

Terry wurde im März 1930 als Jakub Szabmacher in der Nähe von Lublin (Polen) geboren. Während der NS-Herrschaft kam er in das Konzentrationslager Plaszow bei Krakau, dann in das KZ-Außenlager Wieliczka, wo er in den Salzminen arbeiten musste. Am 8. Mai 1943 wurden vor seinen Augen seine Mutter und seine Schwester erschossen. Mit 14 Jahren kam er schließlich im August 1944 nach Flossenbürg. Dort erlebte er auch im April 1945 die Befreiung des Konzentrationslagers durch die US-Armee.

Er überlebte als einziger seiner Familie den Holocaust. Ein Colonel aus der befreienden Division nahm sich des Waisenjungen an und nahm ihn mit in die Vereinigten Staaten. Jack Terry lebte seitdem in New York City, wo er als Psychoanalytiker arbeitete. Flossenbürg habe ihn nie verlassen, sagte Terry einmal.

"Der Tag meiner Befreiung war der traurigste Tag in meinem Leben", sagte er immer wieder. "Bis zu diesem Tag ging es nur instinktiv um mein eigenes Überleben. Am Tag meiner Befreiung habe ich realisiert, dass ich völlig alleine auf der Welt bin." Terry ging nach dem Krieg nach New York und wurde ein anerkannter Psychoanalytiker. "Nach diesem Albtraum wollte ich wissen, wie die menschliche Seele funktioniert. Und was Menschen dazu bringt, anderen Menschen ihr Menschsein abzusprechen", schrieb er später in einem Buch. Terry sei in den Armen seiner Freunde am Sonntag friedlich eingeschlafen, schilderte Skriebeleit.