Nürnberg (epd). Die Fachreferentin für Familienfragen bei der Diakonie Bayern, Birgit Schönknecht, hat vor Einschnitten bei der Unterstützung der sogenannten Familienerholung gewarnt. Für zahlreiche Familien seien Auszeiten in den Familienerholungsstätten aus finanziellen Gründen die einzige Möglichkeit, sich einen Urlaub zu leisten, sagte Schönknecht dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für Kinder aus wirtschaftlich nicht so starken Familien seien solche Erfahrungen wichtig, "wenn wir den Teilhabe-Gedanken ernst nehmen".

Die Anfragen für bis zu zweiwöchige Aufenthalte in den Häusern, die unter dem Dach der Diakonie geführt werden, hätten in den vergangenen Jahren "auf jeden Fall zugenommen", sagte Schönknecht. Sie stellte klar, dass die Einrichtungen "am ehesten mit Seminarhäusern vergleichbar" seien und weniger mit Hotels, da auch Schulklassen oder kirchliche Freizeitgruppen dort Aufenthalte buchen können. Familien würden dort - neben der freien Freizeitgestaltung - verschiedene Bildungsangebote gemacht, beispielsweise kleine Ausflüge oder Bastelaktionen. Es gehe darum, "eine gute Zeit ohne die Gedanken an die Sorgen des Alltags" zu verbringen.

Kein Hotelaufenthalt, sondern Bildungsurlaub

Von den Familien habe sie bisher immer "sehr positive Rückmeldungen erhalten". Auch gerade von jenen, die unverschuldet in eine wirtschaftliche Notlage geraten seien und früher regelmäßig in den Urlaub gefahren sind: "Wer klassische Urlaubsreisen gewohnt ist, für den ist es natürlich eine Umstellung." Denn anders als im Hotel oder Ferienhaus liege der Fokus eben auf gemeinsamer Zeit: "Da gibt es keine Animation oder Kinderbetreuung - der Schwerpunkt der Familienerholungsstätten liegt auf Familienbildung."

Bis zu 90 Prozent der Gesamtkosten können Alleinerziehende und Familien beim Zentrum Bayern Familie und Soziales beantragen - bis zu 19,50 Euro pro Person und Tag. Die geltenden Einkommensgrenzen seien in den vergangenen Jahren nochmals angehoben worden, sagte Schönknecht. Sie liegen aktuell für Alleinerziehende mit einem Kind bei 31.000 Euro und für zwei Elternteile mit einem Kind bei 34.000 Euro, sagte die Expertin. Für jedes weitere Kind erhöht sich die Grenze um 4.800 Euro.