Nürnberg (epd). Die Kommunen sind klamm und die Integration von Geflüchteten eine zusätzliche Belastung - so heißt es oft in der öffentlichen Diskussion. "Aber entsteht dieser Mangel durch Migration oder vielleicht aus ganz anderen Gründen?", gibt Dirk Gärtner, Direktor des Landesamts für Zuwanderung und Flüchtlinge in Schleswig-Holstein, zu bedenken. Bei den "Tagen für Migration" des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg sagte er am Mittwoch, dass der Blick auf Flüchtlinge "in eine bedenkliche Richtung" gegangen sei.

Zuwanderung Ursache oder Verstärker von Problemen?

Heute sei das Thema Angst vorherrschend, sagte Gärtner bei einer Diskussionsrunde zum Thema "Kommunen unter Druck". "Und es gibt Leute, die wollen das. Die wollen durch das Vermitteln von Unsicherheit unsere Fähigkeit zur Toleranz unterminieren." Laut Ryyan Alshebl, Grüner Bürgermeister im württembergischen Ostelsheim, zeigt sich beim Thema Migration die Dimension der ohnehin vorhandenen Probleme. Dies seien eine überbordende Bürokratie und eine grundsätzlich mangelnde finanzielle Ausstattung der Kommunen. Integrationsarbeit sei eine durchaus lösbare Aufgabe, so Alshebl, der vor zehn Jahren aus Syrien nach Deutschland kam. Aber eben nur mit den passenden Rahmenbedingungen.

Der Bürgermeister reagierte damit auf Hans-Eckhard Sommer, Präsident des BAMF, der zuvor sagte, dass viele Kommunen "haushaltsmäßig am Ende" stünden, auch wegen der Sozialausgaben, "wo ein erheblicher Teil durch die Zuwanderer verursacht wird". Sommer schlug vor, dass der Bund die Flüchtlingszahlen über längere Zeit so reduzieren solle, "dass wir die noch liegen gebliebenen Integrationsaufgaben hier im Land lösen können".

Arbeitsmarktintegration als Zeichen des Erfolgs

Ein Zeichen für den Erfolg von Integration ist die Beschäftigung von geflüchteten Menschen. Laut Yuliya Kosyakova, Leiterin des Forschungsbereiches Migration und Integration des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), haben 64 Prozent der Menschen, die 2015 in Deutschland als Flüchtlinge aufgenommen wurden, eine Arbeit. Diese Zahl liege nah am durchschnittlichen Niveau in der Gesamtbevölkerung Deutschlands von 70 Prozent. Angesichts dieses Erfolgs forderte die Forscherin: "Wir müssen häufiger mit Fakten arbeiten, und nicht mit Anekdoten." Das könne die gesellschaftliche Akzeptanz für Migration erhöhen.

Auch ehrenamtliche Arbeit wirke aktiv einer gesellschaftlichen Spaltung entgegen, sagte Irene Porsch, Flüchtlingsbeauftragte der Caritas im Erzbistum Köln. Über Wohlfahrtsverbände und Migrantenselbstorganisationen könnten Netzwerke aufgebaut werden, die unkompliziert dann helfen können, wenn die bürokratischen Hürden für staatliche Hilfe zu groß würden. Dafür brauche es aber eine gesicherte Finanzierung.