Veitshöchheim (epd). Nach zweijähriger Pause ist die bekannte TV-Prunksitzung "Fastnacht in Franken" am Freitagabend aus Veitshöchheim wieder live im BR-Fernsehen zu sehen gewesen. Die Mainfrankensäle waren wieder voll besetzt - vor zwei Jahren gab es faktisch gar kein Publikum, vergangenes Jahr deutlich weniger als vor Corona. In den vergangenen beiden Jahren wurde die Prunksitzung vor der Ausstrahlung aufgezeichnet. In der Sendung wurden auch wieder die Landespolitiker aufs Korn genommen - allen voran Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der im Gegensatz zum Vorjahr wieder verkleidet kam, diesmal als Moses.
Der Spott der Künstler richtete sich teilweise auch wieder gegen die Kirche. Bauchredner Sebastian Reich und seine Nilpferd-Dame Amanda zeigten sich traurig, dass der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zum letzten Mal in Veitshöchheim unter den Gästen weilte. "Alle verlassen sie mich", bedauerte Amanda. Bedford-Strohm spiele dann wohl künftig mit Alt-Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in dessen Keller mit der Eisenbahn, vermutete sie. Bedford-Strohms Bischofsamtszeit endet in diesem Herbst. Für die katholische Kirche habe sie eine Wetter-App programmiert, "ganz ohne Woelki", sagte Amanda.
Die nach zweijähriger Pause wieder auftretende "Altneihauser Feierwehrkapelln" machte sich lustig über den Würzburger Bischof Franz Jung. "Finden sich beim Frankenwein, der Söder und der Bischof ein, dann lässt man besser Vorsicht walten. Wo die drei sind, heißt’s Abstand halten", lästerte Kommandant Norbert Neugirg.
Warum auch zu Zeiten des Krieges in der Ukraine der Fasching genossen werden sollte, begründete der Erlanger Klaus-Karl Kraus: "Wir verteidigen unsere Demokratie mit Feiern und Lachen." Wortdrechsler Peter Kuhn aus Schweinfurt als Faschingsprinz nahm unter anderem die Reichsbürger aufs Korn. "Ich sag's den Spinnern lieber gleich: Ich will nicht heim ins Deutsche Reich." Der Schweinfurter fügte an: "Bei uns steht Fastnacht voll und ganz für Frieden, Freiheit, Toleranz."
Die TV-Prunksitzung "Fastnacht in Franken" (FiF) flimmerte im BR-Fernsehen zum ersten Mal im Jahr 1987 über die Bildschirme - einmalig aus dem oberfränkischen Lichtenfels, seither wird sie aus Veitshöchheim übertragen. 1991 fiel "FiF" wegen des Zweiten Golfkriegs aus. Die TV-Prunksitzung wird vom Fränkischen Fastnacht-Verband und vom BR verantwortet. 2022 sahen bundesweit 2,973 Millionen Zuschauer zu, davon alleine 1,864 Millionen aus Bayern. Der Marktanteil hatte bei 40,6 Prozent und damit deutlich höher als 2021 gelegen. Die Sendung ist seit Jahren die erfolgreichste aller dritten TV-Programme.