Eichstätt, Augsburg (epd). 11.158 Seelsorge- und Beratungsgespräche hat die Telefonseelsorge Ingolstadt im vergangenen Jahr geführt. Das sind laut Jahresbericht der gemeinsamen Einrichtung der Diözese Eichstätt und der Diakonie rund 300 mehr als noch 2021. "Der Krieg in der Ukraine beschäftigt viele Anruferinnen und Anrufer. Im März 2022 ging es in mehr als zehn Prozent der Gespräche um dieses Thema, oft verbunden mit Gefühlen der Einsamkeit und Angst", sagte Hans Iberl, Leiter der Telefonseelsorge Ingolstadt, laut Mitteilung.

Neu auf der Sorgenliste seien "Existenznöte durch Kostenexplosion", die im vergangenen Oktober in fünf Prozent der Gespräche genannt wurden. Die fünf wichtigsten Themenbereiche bei den Anrufen im vergangenen Jahr waren laut Jahresbericht körperliches Befinden, Einsamkeit und Isolation, familiäre Beziehungen, depressive Stimmung und Ängste. Um Suizidalität, ein sehr häufiges Symptom von Depression, ging es bei etwa 800 Telefongesprächen. Die durchschnittliche Dauer eines Gesprächs lag bei 25 Minuten.

Ähnliche Erfahrungen machte die ökumenische Telefonseelsorge Augsburg. Die Zahl der Menschen mit Suizidgedanken sei gestiegen, sagte Leiterin Hildegard Steuer auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd): "Dieser kontinuierlicher Anstieg ist bereits seit Jahren zu verzeichnen." Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden würden intensiv in der Suizidprävention geschult.

Mit rund 13.770 qualifizierenden Beratungsgesprächen sei die Telefonseelsorge Augsburg 2022 auf konstantem Niveau geblieben. Das liege aber vor allem daran, dass bei den etwa 90 Ehrenamtlichen die Gesprächskapazitäten bereits voll ausgeschöpft seien. Bei 84 Prozent der Anrufe sei es den Hilfesuchenden lieber gewesen, anonym zu bleiben. "Die Niedrigschwelligkeit unseres Angebots ermöglicht ihnen vielleicht überhaupt erst, das anzusprechen, was ihnen auf dem Herzen liegt", betonte Sauer.

Zusätzlich zum telefonischen Angebot gibt es auch eine Online-Seelsorge. In Ingolstadt sind laut Bericht 541 Chats mit einer durchschnittlichen Dauer von 40 Minuten je Unterhaltung geführt worden. "Mit diesem Medium sprechen wir jüngere Menschen an. Mehr als die Hälfte der Ratsuchenden in den Chats sind zwischen 15 und 29 Jahre alt", sagte Hans Iberl. In Augsburg habe man 198 Mails geschrieben - eine Steigerung um fast 40 Prozent im Vergleich zu 2021. Dazu kamen 57 Chats mit Hilfesuchenden.