Augsburg (epd). Nach rund dreijähriger Planungs- und Umbauphase nimmt das Forum St. Johannes in Augsburg-Oberhausen am Mittwoch (1. Juli) den Betrieb auf. Die Einrichtung sei eine Anlaufstelle für Suchtkranke - unter anderem mit Aufenthaltsräumen, Beratungsangeboten und einer Substitutionspraxis, sagte der städtische Ordnungsreferent Frank Pintsch dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag. Er rechnet mit rund 90 Klientinnen und Klienten am Tag. St. Johannes ersetzt den bisherigen "beTreff" am Helmut-Haller-Platz, der nur für 25 Personen gleichzeitig ausgerichtet und damit zu klein geworden war.

Das Projekt in dem sozial schwachen Stadtteil ist nicht unumstritten: Anwohner fürchten um ihre Sicherheit, sollte sich die Drogenszene nach St. Johannes verlagern. Diese Sorgen nehme er sehr ernst, sagte Pintsch. Die Hausleitung sei für Anwohner während der Bürozeiten direkt ansprechbar. In der Einrichtung gebe es einen Ordnungsdienst, außerdem stimme man sich "aufs engste" mit dem Polizeipräsidium ab. Auch die Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien von St. Johannes seien umfriedet und nicht einsehbar. Die Stadt werde sicherstellen, dass der angrenzende Friedensplatz von Kindern und Familien weiter genutzt werden könne, sagte Pintsch.

Manche holen auf dem Weg zur Arbeit nur schnell Methadon

Auch Fritz Graßmann, Theologischer Vorstand der Diakonie Augsburg, ist froh, dass es nun losgehen kann. "Ich hatte durchaus Sorge, dass es nicht klappt", sagte er dem epd angesichts des Gegenwindes. Die Bandbreite an sozialpädagogischen und medizinischen Angeboten ist groß: Die Hilfesuchenden könnten zu Mittag essen, ihre Wäsche waschen, sich in der Kleiderkammer mit Kleidung versorgen, duschen oder sich einfach ausruhen. Wieder andere holten sich morgens auf dem Weg in die Arbeit in der Substitutionspraxis den Ersatzstoff Methadon und gingen dann gleich wieder, erläuterte Graßmann.

Am Forum St. Johannes sind mehrere Player beteiligt: Den Betrieb übernehmen die Drogenhilfe Schwaben und der Katholische Verband für Soziale Dienste (SKM) Augsburg. Die Gebäude, nämlich der einstige Gemeindesaal und das Pfarrhaus, gehören der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannes, die sie an die Diakonie Augsburg vermietet hat. Diese wiederum hat den Umbau in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro gestemmt und die neugestalteten Räumlichkeiten an die Stadt Augsburg als Trägerin weitervermietet. Am Tagesbetrieb ist die Diakonie nur in kleinem Rahmen beteiligt.

Für Augsburg sehen Graßmann und Pintsch die Einrichtung als Gewinn: Sucht sei zwar ein gesellschaftliches Tabuthema. Erkrankten müsse aber geholfen werden, am besten durch gut erreichbare und niederschwellige Anlaufstellen, sagten beide. Für die Diakonie und die evangelische Kirchengemeinde St. Johannes spielt noch ein weiteres Thema ein Rolle: eine für sie sinnvolle Nachnutzung von kirchlichen Räumen und Gebäuden, von denen sich evangelische wie katholische Kirche angesichts stark sinkender finanzieller Ressourcen in den kommenden Jahren trennen müssen.

Nachnutzung von Johanneskirche noch unklar

"Bevor man eine Immobilie meistbietend verkauft, sollte man schauen, ob man ein sozialdiakonisches Angebot unterbringen kann", sagte Graßmann. Als die Stadt, die für den bisherigen "beTreff" neue Räumlichkeiten suchte, auf die Kirchengemeinde zukam, sei das daher ein "glücklicher Zufall" gewesen. Selbst von Kritikern des Projekts sei nie in Frage gestellt worden, dass sich Kirche um Randgruppen wie Suchterkrankte kümmere. Für die kommenden 20 Jahre sei das Forum St. Johannes für alle Beteiligten eine "gute Lösung", sagte Graßmann.

Nur für die wuchtige Johanneskirche fehlt noch ein Konzept zur Nutzung. Teil der Vereinbarung rund um das Forum St. Johannes sei, dass die Stadt sich auch um eine Nutzung des Kirchengebäudes kümmere, sagte Ordnungsreferent Pintsch. Man werde zusammen mit Architekten nun überlegen, wie der Kirchenraum gestaltet werden könne, etwa für Konzerte, Theateraufführungen, Bildungsangebote, Büro- oder Seminarräume. Konkreter will Pintsch nicht werden, nur so viel: "Der Charakter einer Kirche soll erhalten bleiben."

Als eine Art "Deadline" nennt Pintsch das Jahr 2030, wenn in Augsburg "500 Jahre Confessio Augustana" gefeiert werden, einer der Meilensteine der weltweiten Reformationsgeschichte - und zugleich der 100. Geburtstag der denkmalgeschützten Johanneskirche. Graßmann findet diese Zielmarke sinnvoll. Ihm ist es wichtig, dass neben dem in Oberhausen ja nicht unumstrittenen Forum St. Johannes auch ein Stadtteil-Angebot für die Bürger entstehe. Es müsse klar werden: "Kirche und Stadt tun hier was für die Menschen."