Nürnberg (epd). Die Politik muss den Kampf gegen Wohnungsnot in Bayern oben auf ihre Agenda setzen, hat die Freie Wohlfahrtspflege Bayern am Mittwoch gefordert. Es reiche nicht, nur im Wahlkampf darüber zu sprechen, sagte die Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege, Diakoniepräsidentin Sabine Weingärtner, in Nürnberg. "Slogans alleine bringen die Menschen in Bayern nicht weiter". Neue Untersuchungen, wonach die Zahl der Wohnungslosen in Bayern seit 2014 von über 12.000 auf mittlerweile knapp 18.000 gestiegen sei, müssten die politisch Verantwortlichen alarmieren und zum Handeln bewegen, sagte Weingärtner. Das Thema Wohnen finde sich bisher nur vereinzelt in den Programmen.
Mit einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sei nicht zu rechnen, sagte die Diakoniepräsidentin. Im Gegenteil erwarte die Baubranche im laufenden Jahr einen Anstieg der Insolvenzen um mehr als ein Viertel sowie einen Rückgang bei Neubauten um 3,5 Prozent. "Das Ziel, in Deutschland jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, wurde im vergangenen Jahr nicht erreicht, und es wird auch 2023 nicht erreicht werden", kritisierte Weingärtner. Der Plan der Staatsregierung, bis 2025 10.000 neue Wohnungen zu bauen, sei ebenfalls gescheitert. "Dieses Ziel im Jahr 2029 zu erfüllen, hilft den Menschen, die heute eine Wohnung suchen, wenig."
Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege Bayern hätten bereits mehrfach Vorschläge zur Verbesserung der Wohnsituation auf den Tisch gelegt, sagte die Diakoniepräsidentin. Dazu gehöre etwa, eine gemeinwohlorientierte Wohnungswirtschaft mehr zu fördern - beispielsweise mit Steuererleichterungen. Mit Zuschüssen für gemeinnützige Anbieter könne ein Anreiz geschaffen werden, Wohnungen deutlich unterhalb des Marktpreises am freien Wohnungsmarkt zu vermieten.