München (epd). Zu einem beherzten Eintreten für demokratische Werte hat der frühere Bundespräsident Joachim Gauck aufgerufen. Eine offene Gesellschaft beruhe zwar auf Toleranz, die jedoch ein Ende finden müsse, wenn die Demokratie selbst, das Grundgesetz oder die Grundwerte der Gesellschaft angegriffen würden. Deshalb brauche die Gesellschaft "tolerante und verteidigungsbereite Demokraten" , sagte Gauck am Dienstagabend in München bei einem Vortrag in der Reihe "Reden über" des bayerischen Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle.

Die Geschichte des Judentums sei von Intoleranz, Unterdrückung und Verfolgung geprägt, sagte Gauck im Blick auf das Jubiläum "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Toleranz habe - nach heftigen Kämpfen der Konfessionen - nur innerhalb des Christentums gegolten. Es sei ein "Demokratiewunder", dass nach der Verfolgung durch die Nazis jüdische Menschen wieder in ein Land zurückkehrten, das früher "Mörder regierten".

Heute sei es eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, "äußerst sensibel hinzuschauen", wo sich Antisemitismus in seinen verschiedenen Formen zeigt, sagte der ehemalige Bundespräsident. Dazu gehöre neben dem von Rechtsextremen getragenen Judenhass auch ein importierter islamistischer Antisemitismus.

Der Antisemitismusbeauftragte Spaenle wies darauf hin, dass jüdische Menschen bereits vor der Christianisierung das Land geprägt hätten. Diese lange gemeinsame Geschichte müsse wieder stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert werden. In ihrem Jubiläumsjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" erführen die jüdischen Mitbürger zwar eine spürbares Interesse am Judentum, zugleich aber eine zunehmende Gefährdung, weil der Judenhass deutlich zugenommen habe.

„Sonntags“ – Der kompakte Überblick

Starten Sie mit unserem Newsletter in die Woche.

 
Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.*