München (epd). Mit einem Gedenkakt haben Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen, des öffentlichen Lebens und der Politik am Freitag in München an den ersten gewählten evangelischen Synodenpräsidenten Wilhelm Alois Freiherr von Pechmann (1859-1948) erinnert.

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm erinnerte in der Trauerhalle des Münchner Nordfriedhofs daran, dass es die evangelisch-lutherische Kirche damals versäumt habe, von Pechmanns Größe zu erkennen und zu würdigen. Der Gedenkakt - ebenso wie der landeskirchliche Pechmann-Preis - solle zum Ausdruck bringen, "dass wir wenigstens heute verstanden haben". Der Münchner Regionalbischof Christian Kopp bezeichnete von Pechmann als "starke Stimme gegen das Unrecht", der in seiner Zeit nicht gehört wurde.

Von Pechmann war studierter Jurist und wurde 1898 Direktor der Bayerischen Handelsbank in München. Neben seinem Hauptberuf bekleidete er zahlreiche nationale und internationale kirchliche Ehrenämter. 1946 trat von Pechmann zum Katholizismus über. Er war entschiedener Gegner des "Dritten Reiches" und Mahner gegen Rassismus und Antisemitismus.

Die Präsidentin der bayerischen Landessynode, Annekathrin Preidel, sagte, von Pechmann sei "Vorbild und Mahner zugleich". Die christliche Freiheit bedeute mutige Verantwortung, um dort Stellung zu beziehen, "wo Intoleranz, Respektlosigkeit und Hass aufkeimen und sich Raum verschaffen".

Freiherr von Pechmann habe sich nicht sich von der "Woge der Barbarei" hinwegfegen lassen, stellte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern fest. Er habe mit seinen Worten und Taten gezeigt habe, "dass jeder eine Wahl hatte. Niemand war gezwungen, sich am Marsch in den moralischen Abgrund zu beteiligen, den dieses Land und seine Menschen nach 1933 antraten".

Die Münchner Stadträtin Gudrun Lux sagte, die Stadt ehre "diesen mutigen, christlich motivierten Mann des Widerstands" für sein Leben und seinen Mut. Klare Kante müsse man auch heute zeigen, Antisemitismus, Rassismus und Diktatur seien nicht einfach Probleme der Vergangenheit.