Dachau (epd). Ein ökumenischer Gottesdienst in der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau erinnert am Sonntag (16.Oktober) an die Verschleppung der ersten Frauen ins KZ Dachau vor 80 Jahren.
Insgesamt seien rund 8.000 weibliche Häftlinge in Dachau interniert gewesen, teilte Pfarrer Björn Mensing am Freitag mit. Viele mussten in der Rüstungsindustrie arbeiten, andere wurden gezwungen, sich im Häftlingsbordell zu prostituieren. "Ihre Leiden wurden nach 1945 nicht als NS-Verfolgung anerkannt", betonte der Historiker.
Wie vielfältig die Wurzeln der Frauen waren, zeigen im Gottesdienst vier Kurzbiografien: Ursula Krause war als sogenannte "Asoziale" vom KZ Ravensbrück nach Dachau geschickt und dort vom SS-Arzt Sigmund Rascher für "medizinische" Versuche missbraucht worden. Die ungarische Jüdin Miriam Rosenthal brachte im Februar 1945 im Dachauer Außenlager Kaufering I einen Sohn zur Welt; wie durch ein Wunder überlebten beide. Noor-un-Nisa Inayat Khan, eine der wenigen inhaftierten Frauen mit muslimischen Wurzeln, wurde als Widerstandskämpferin sofort ermordet. Willemijn Petroff-van Gurp wiederum zählte zur Gruppe niederländischer Frauen, die bei ihrem Einsatz im Agfa-Camerawerk Giesing 1945 in den Arbeitsstreik traten.
Am Gottesdienst nehmen Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU), die dritte Bürgermeisterin von Dachau, Luise Krispenz (Bündnis 90/Die Grünen), Marten Siegmund, Präsidiumsmitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Nachfahren von KZ-Dachau-Überlebenden teil.