Hadamar, Dachau (epd). Die Gedenkstätte Hadamar bei Limburg wehrt sich gemeinsam mit mehr als 30 Gedenkstätten, Stiftungen und Initiativen in Deutschland gegen erfundene, KI-generierte Inhalte zum Nationalsozialismus auf Social-Media-Plattformen. Diese Inhalte verfälschten die Geschichte durch "Verharmlosung und Verkitschung" und veränderten die Sehgewohnheiten der Nutzer, teilte die Gedenkstätte am Donnerstag mit. Zu den Unterzeichnern des offenen Briefs gehören auch die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg.
In dem Brief an die Plattformbetreiber erklären die Unterzeichner, dass die Nutzerinnen und Nutzer "zunehmend auch authentische historische Dokumente anzweifeln". Die Postings würden die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven und Forschungseinrichtungen entwerten und ihre Glaubwürdigkeit untergraben.
KI-erfundene Bilder erzielen Werbeeinnahmen
Die AI-Slop genannten Inhalte zeigen dem Brief zufolge vermeintliche Situationen in NS-Lagern oder bei deren Befreiung. Es kursierten etwa Bilder, die ein angebliches Wiedersehen zwischen Gefangenen und Befreiern zeigen oder erfundene Szenen weinender Kinder hinter Stacheldraht. Diese Inhalte basierten auf Versatzstücken historischer Fakten und emotionalisierter Fiktion.
Die gefälschten Posts versuchten, "die emotionale Wucht des Holocaust" zu nutzen, um mit wenig Aufwand große Reichweite und damit Werbeeinnahmen zu erzielen. Zudem würden "Inhalte gezielt eingesetzt, um historische Fakten zu verwässern, Opfer- und Täterrollen zu verschieben oder revisionistische Narrative zu verbreiten", so die Gedenkstätten.
Plattformen sollen geschichtsverfälschende KI-Inhalte löschen
Die Unterzeichner des Briefes, wie etwa die Gedenkstätten Buchenwald und Bergen-Belsen, Dachau und Ravensbrück, fordern die Plattformbetreiber auf, gegen die geschichtsverfälschenden KI-Inhalte vorzugehen, ohne Meldungen von Nutzern abzuwarten. Auch sollten Konten, die solche Inhalte verbreiten, "von allen Monetarisierungsprogrammen" ausgeschlossen werden.