Pullach (epd). Ob in der Pullacher Bischof-Meiser-Straße Infotafeln zum Wirken des ersten bayerischen Landesbischofs aufgestellt werden oder nicht, beschließt der Gemeinderat bei seiner Sitzung am heutigen Dienstagabend. Laut öffentlicher Beschlussvorlage soll das Gremium darüber abstimmen, ob vier Textentwürfe der Historikerin und Meiser-Biographin Nora Schulze vorübergehend als Tafeln an der Straße installiert werden - oder ob der Gemeinderat stattdessen gleich die Abstimmung zur Umbenennung der Bischof-Meiser-Straße vorbereitet. Hans Meiser (1881-1956) war von 1933 bis 1955 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB).

Kritiker wie das Pullacher Geschichtsforum werfen dem Theologen vor, dass er in zwei Aufsätzen "dezidiert antisemitisch" argumentiert und in der NS-Zeit konsequent zu Judenverfolgung und Euthanasie geschwiegen habe. Ein fraktionsübergreifendes Dreierbündnis im Gemeinderat betont hingegen, dass Meiser nicht auf eine Stufe mit Kriegsverbrechern und Volksverhetzern zu stellen sei - Kriterien, die der Deutsche Städtetag vorschlägt, wenn es um die Umbenennung von Straßen geht.

Bereits im April 2021 hatte der Gemeinderat einen Antrag des Pullacher Geschichtsforums zur Umbenennung der Bischof-Meiser-Straße angenommen. Seither diskutieren die Beteiligten kontrovers über den richtigen Umgang mit Namensgebern, deren Wirken aus heutigem Blickwinkel fragwürdig erscheint.

Im Jahr 2007 hatten Nürnberg und München ihre nach dem ehemaligen Landesbischof benannten Straßen per Stadtratsbeschluss umbenannt. Bayreuth lehnte eine Namensänderung im Jahr 2010 zunächst ab; 2022 stimmte eine Mehrheit des Stadtrats doch noch für die Umbenennung. Für die Beibehaltung des Straßennamens entschieden sich Weiden (2009) und Ansbach (2006 und 2013).