München (epd). Die meisten Gamer begegnen laut einem Gutachten regelmäßig rechtsextremistischen Inhalten in Online-Spielen. Dabei sei die Szene aber nicht anfälliger für solche Botschaften als andere Mediennutzende, teilte die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) am Donnerstag mit. Das Forschungsgutachten "(Rechts-)Extremismus im Gaming-Bereich" ließ die BLM gemeinsam mit dem bayerischen Familien- und Sozialministerium erstellen.
Nicht erst seit den Anschlägen in Christchurch (Neuseeland) und Halle an der Saale 2019 wird nach Verbindungen zwischen digitalem "Zocken" und extremistischen Weltanschauungen gefragt. Laut Gutachten instrumentalisieren Akteure den Gamingbereich, indem sie etwa "in-game content" - Inhalte innerhalb digitaler Spiele - oder Modifikationen mit extremistischen Inhalten erstellen. Bei diesen "Mods" werden Spiele an die eigenen Vorlieben angepasst, etwa indem das Aussehen der Figuren verändert wird.
Forschende plädieren für "nuancierte Betrachtung"
Laut den Experten ist der Gamingbereich "nicht pauschal anfälliger für extremistische Einflussnahme als andere digitale Räume". Allerdings seien die Verbindungen zwischen Gaming und speziell Rechtsextremismus seit den 1980er-Jahren gewachsen. Zudem herrsche in einigen Communitys eine Diskussionskultur, die Hass und Hetze normalisiere.
Die Forschenden plädieren für eine "nuancierte Betrachtung": Gaming sei "kein 'Problem', das es zu 'lösen' gilt", sondern eine für viele Menschen gewinnbringende Freizeitaktivität. Gleichwohl sei extremistischer Einflussnahme aktiv entgegenzutreten, insbesondere durch Politik und Gaming-Branche. Jugendmedienschutz als "gesamtgesellschaftliche Aufgabe" verlange eine Balance zwischen dem Schutz der Jugendlichen, ihrer Befähigung zum Umgang und ihrem Recht auf Teilhabe.