München (epd). In der Debatte um den hohen Krankenstand unter den Beschäftigten in Deutschland spricht sich der Chef der Krankenkasse DAK Gesundheit, Andreas Storm, für eine Teilkrankschreibung aus. "Das ist ein Instrument, das es mittlerweile schon in vielen Ländern gibt, insbesondere in skandinavischen Ländern hat sich das bewährt", sagte Storm am Mittwoch dem Radiosender Bayern 2. Die Teilkrankschreibung erlaube es, dass Arbeitnehmer, die nicht vollständig arbeitsfähig sind, teilweise arbeiten könnten, etwa im Homeoffice. "Das würde bedeuten, dass die Krankenstandsquote signifikant niedriger wird", sagte Storm.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei den Krankheitstagen im oberen Mittelfeld, das ist laut Storm ein deutlich überdurchschnittlicher Krankenstand. Diesen führt er teilweise auf die Umstellung zur elektronischen Erfassung der Krankenstände zurück, die eine genauere Datenerhebung ermögliche. Seit 2022 gilt eine Meldepflicht, wonach Ärzte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen direkt an die Krankenkassen übermitteln müssen. Kurze Erkrankungen, die zuvor oft gar nicht erfasst wurden, tauchen dadurch erstmals vollständig in der Statistik auf.

Nicht sinnvoll, mit Schnupfen in die Arztpraxis zu gehen

Befeuert wurde die Debatte jüngst durch Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Er hatte am Wochenende einen zu hohen Krankenstand in Deutschland kritisiert und erklärt: "Eine der Ursachen ist sicherlich auch die leichte Krankschreibung durch telefonische Krankschreibungen." Ärzteverbände warnen vor einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung, die 2021 während der Corona-Pandemie eingeführt wurde. Storm sagte dazu, dass es sinnvoll sei, Patienten, die etwa stark verschnupft sind, nicht in die Arztpraxis zu schicken. Möglichen Missbrauch müsse man aber genauer ansehen.