München (epd). Der Holocaust-Überlebende Karl Rom ist tot. Kurz nach seinem 97. Geburtstag ist der engagierte Zeitzeuge am 28. Februar nach langer Krankheit gestorben, wie die Stiftung Bayerischer Gedenkstätten am Freitag mitteilte. Stiftungsdirektor Karl Freller würdigte Rom als Menschen, dessen Engagement in der Erinnerungsarbeit "viele und vieles bewegt" habe. Nach mehr als 40 Jahren des Schweigens habe er ab 1988 regelmäßig vor Schulklassen und anderem Publikum von seinen Erfahrungen während der Nazi-Diktatur berichtet.
Karl Rom wurde am 25. Februar 1926 als drittes Kind einer nicht-orthodoxen jüdischen Familie in Kaunas geboren. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht kam der damals 15-Jährige mit seiner Familie ins Ghetto Kaunas, das 1943 in ein KZ umgewandelt und ein Jahr später aufgelöst wurde. Die Familie wurde auseinandergerissen: Mutter und eine Tochter wurden ins KZ Stutthof deportiert, der Vater und sein Sohn kamen nach Kaufering I, einem Außenlager des KZ Dachau. Dort musste Karl Rom in den Bunkerbauwerken Schwerstarbeit leisten. Am 25. April 1945 trieb die SS die anderen Häftlinge auf einen "Todesmarsch" zum KZ Allach, das am 29. April von US-Truppen befreit wurde.
Nach Kriegsende lebte Karl Rom in einem Lager für sogenannte Displaced Person (DP) in München. Ende 1949 zog er nach Israel, kehrte aber 1956 mit Frau und Tochter nach Deutschland zurück. Ab 1976 lebte er in Hohenschäftlarn bei München.