München (epd). Zum "Europäischen Tag des Notrufs" am 11. Februar hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann an die Bedeutung und Reichweite der Notrufnummer 112 erinnert. "Mit einer einheitlichen Nummer erhalten Sie innerhalb der EU und weiteren europäischen Ländern kostenlose und schnelle Hilfe im Notfall", erklärte der Minister laut Mitteilung vom Freitag. Allein im Jahr 2022 hätten die 26 Integrierten Leitstellen in Bayern rund 3,1 Millionen Notrufe bearbeitet. Um die Technik auf dem modernsten Stand zu halten, investiere der Freistaat rund 45 Millionen Euro in ein neues Einsatzleitsystem in allen Leitstellen.

Gleichzeitig appellierte Herrmann an die Bürgerinnen und Bürger, den Notruf nicht unnötig zu nutzen. Für medizinische Anliegen, bei denen nicht jede Minute zähle, sei der Hausarzt oder die Nummer 116 117 des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes die richtige Anlaufstelle. "Helfen Sie bitte mit, wichtige Ressourcen für echte Notfälle zu schonen", bat der Innenminister.

Das entspricht auch einem Anliegen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), das acht der 26 Integrierten Leitstellen in Bayern betreibt. Die Zahl von Fehlanrufen bei der 112 sei stark gestiegen, teilte das BRK am Freitag mit. "Der Anruf beim Notruf ist oft das verzweifelte Ergebnis eines Kampfs um einen Termin beim Facharzt oder Ärztlichen Bereitschaftsdienst", sagte BRK-Präsidentin Angelika Schorer. Vermeidbare Notrufe setzten jedoch das gesamte Rettungssystem unter Druck und führten im schlimmsten Fall zu einer schlechteren Versorgung von Akut-Patienten.

Grundsätzlich gelte, dass der Notruf "lieber einmal zu viel als einmal zu wenig" gewählt werden solle. Bei Unfällen, Bränden und medizinischen Notfällen, Herz-Kreislauf-Stillstand, Schock, starken Blutungen oder Vergiftungen sei der Notruf die richtige Anlaufstelle. Gesundheitliche Beschwerden, die "weder zeitkritisch noch medizinisch dringlich" seien, gehörten laut BRK nicht dazu.

Die 112 ist seit 2008 in der gesamten Europäischen Union rund um die Uhr und kostenfrei erreichbar - egal ob Mobilfunk oder Festnetz. Sie könne auf einem fremden Handy auch ohne Entsperr-Code angerufen werden, erklärte Marcus Hiltermann, Rettungsdienst-Wachleiter der Johanniter in München, laut Mitteilung vom Freitag. Auch außerhalb der EU werde die Notrufnummer 112 genutzt, beispielsweise in der Schweiz, in Island, Norwegen, Russland, der Türkei und der Ukraine.

Der Notruf sei jedoch nur ein Teil der Rettungskette, betonte Hiltermann. Besonders bei einer Bewusstlosigkeit oder einem Atemstillstand komme es darauf an, bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts Erste Hilfe zu leisten. Die "wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte jeder kennen und anwenden können", betonte der Rettungssanitäter. Um im Notfall nicht lang nachdenken zu müssen, seien Auffrischungskurse in Erster Hilfe nötig - "am besten alle zwei Jahre".