München, Bamberg (epd). Mehr Anstrengungen für eine aktiv gestaltete Integration hat die Vorsitzende des Dachverbands der kommunalen Integrationsbeiräte Bayern (Agaby), Mitra Sharifi, gefordert. In den letzten Monaten und Jahren sei Migration von rassistischen Kräften, aber "leider auch von fast allen demokratischen Parteien" schlecht geredet worden, sagte die Dozentin an der Universität Bamberg im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wir haben viel Arbeit vor uns, dieses negative Bild wieder zurechtzubiegen, denn es ist schlicht falsch", so Sharifi.
Eine Möglichkeit dazu sei die Interkulturelle Woche vom 21. bis 28. September, die in vielen bayerischen Kommunen mit niederschwelligen Angeboten "eine große Tür aufmacht für Begegnung und gegenseitiges Kennenlernen". Die Aktion wurde 1975 von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Deutschen Bischofskonferenz und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie als "Tag des ausländischen Mitbürgers" ins Leben gerufen, um friedliches Zusammenleben zu fördern und Rassismus zu bekämpfen.
Migration biete die Chance, "die Gesellschaft zu stärken, wenn wir ein gleichberechtigtes und demokratisches Miteinander aktiv gestalten" betonte Sharifi, die für ihr über 30-jähriges Engagement im Februar 2025 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Die Gewalttaten Einzelner dürften nicht dazu führen zu vergessen, dass in Deutschland "hunderttausende Migranten ganz selbstverständlich als Kolleginnen und Kollegen, als Kunst- und Kulturschaffende, Unternehmende, Nachbarn oder Freunde da sind und ihren Beitrag zum Wohle der Gesellschaft leisten". Ohne diese Menschen sei die Gesellschaft in Deutschland nicht mehr denkbar.
Die Interkulturelle Woche sei "ein Aufmerksamkeitsmoment" dafür: Sie gebe Akteuren eine Plattform, um Vielfalt zu präsentieren und sich zu vernetzen. Zugleich spreche sie auch neue Zielgruppen an: "Das läuft bei uns in der Stadtmitte Bambergs über Essen und Musik, oder beim Fußballspielen und danach zusammen Tanzen oder beim spontanen gemeinsamen Singen mit den Nachbarinnen - eine der guten Erfahrungen aus der Coronazeit", sagte Sharifi. Seit einigen Jahren seien Menschen weniger bereit, ihre sozialen Blasen zu verlassen, bedauerte die Ehrenamtliche. Dabei zeigten wissenschaftliche Studien immer wieder, "dass Begegnung und Dialog die besten Mittel sind, um Vorurteile abzubauen".