Augsburg (epd). Durch Hass und Drohbriefe ins Exil gezwungen: Die Wanderausstellung "Feibelmann muss weg" des Jüdischen Museums Augsburg zeigt am Beispiel eines Memminger Kaufmanns die Mechanismen der Judenverfolgung ab 1933. Hetzkampagnen gegen Jüdinnen und Juden seien nach Hitlers Machtübernahme nicht nur von oben verordnet worden, hieß es in einer Mitteilung des Museums am Freitag. Vor allem durch persönliche Ressentiments hätten Hetze und Gewalt vor Ort "eine ganz eigene Dynamik" entwickelt.

Jakob Feibelmann, 1880 als Sohn eines Viehhändlers geboren, arbeitete als Kaufmann in Memmingen. Ab 1933 wurde er mit anonymen Drohschreiben überschüttet, die ihn massiv anfeindeten und schließlich 1934 zur Emigration nach Palästina drängten. Die Drohschreiben, die er als Beweismittel gesammelt hatte, nahm er mit. So blieben über 60 Dokumente erhalten, die heute von Feibelmanns Enkelin und verschiedenen Archiven in Deutschland und Israel aufbewahrt werden.

In der Ausstellung würden Reproduktionen erhaltener Briefe und Postkarten gezeigt. "Sie vergegenwärtigen nicht nur den Hass, dem Jakob Feibelmann ausgesetzt war, sondern führen auch beispielhaft die Mechanismen vor Augen, mit denen Jüdinnen und Juden nach dem Beginn der NS-Gewaltherrschaft auf lokaler Ebene ins Exil getrieben wurden", teilte das Jüdische Museum mit. Ziel sei es, die Debatte über Judenverfolgung zu erweitern und eine Auseinandersetzung mit NS-Täterschaft und Mitläufertum anzuregen.

Die Ausstellung ist nach einer ersten Präsentation im Stadtmuseum Memmingen jetzt ab 14. März im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben zu sehen. Durch die Kooperation mit dem Netzwerk "Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben" solle sie in den Folgejahren auch an weiteren Orten gezeigt werden.