Nürnberg, Aachen (epd). Jedes Kilo Rohkaffee müsste laut Misereor rund acht Euro teurer sein, um ökologische und soziale Schäden abzufedern. Beim Kaffeeanbau entstünden erhebliche externe Kosten, die über den Einkaufspreis nicht abgedeckt würden, erklärte das katholische Hilfswerk zur Vorstellung einer Studie dazu am Mittwoch auf der Bio-Messe "Biofach" in Nürnberg.

Die Umweltfolgekosten betrügen im Durchschnitt rund 7,20 US-Dollar pro Kilogramm Rohkaffee und entstünden vor allem durch Treibhausgasemissionen, Belastungen von Böden und Gewässern sowie Gesundheitsrisiken in der Produktion, lautete das Fazit der Untersuchung in Uganda und Honduras. Hinzu kämen soziale Folgekosten zwischen 0,45 und 1,60 US-Dollar pro Kilogramm. Das umfasse insbesondere niedrige Einkommen, unsichere Arbeitsbedingungen sowie Defizite bei Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Absicherung. Viele Kaffeebäuerinnen und -bauern erzielen somit trotz harter Arbeit kein existenzsicherndes Einkommen.

Appell an Unternehmen und Politik

Deutsche Unternehmen müssen sich stärker für die Beseitigung von Missständen im Kaffeeanbau einsetzen, forderte Misereor. Zur Deckung der "wahren Kosten" sei es dabei keine akzeptable und realistische Lösung, wenn diese über erhöhte Preise von den Konsumentinnen und Konsumenten getragen würden, erklärte Misereor-Referent Wilfried Wunden. Stattdessen schlägt die Studie vor, dass Firmen Rückstellungen für die versteckten Kosten erstellen und faire Produktionsbedingungen von Anfang an in ihren Kalkulationen berücksichtigen.

Die Studie der Technischen Hochschule Nürnberg entstand im Rahmen des Projekts "True Cost Alliance", in dem Misereor gemeinsam mit der Denkfabrik TMG Think Tank for Sustainability und der Technischen Hochschule Nürnberg an Methoden zur Erfassung der Kosten in Ernährungssystemen arbeitet.