München (epd). Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx warnt die westliche Welt davor, nur wirtschaftliche Interessen im Blick zu haben. "Den Wohlstand Europas verteidigen wir nur, wenn wir eine Vision haben, die über den Wohlstand hinausgeht", sagte er laut Mitteilung vom Mittwoch. Es dürfe nicht sein, dass sich "die Vision des Westens verkürzt zu: Profit, Profit, Profit", sagte der Kardinal in seiner Laudatio auf Sylvie Goulard. Die Präsidentin des Deutsch-Französischen Instituts wurde am Dienstagabend mit dem Ordo-Socialis-Preis 2025 ausgezeichnet.

Die europäische Vereinigung sei schließlich "auch ein Projekt der Kirche", sagte Marx: "Die Stimme des Evangeliums gehört dazu, ohne sie würde der Seele Europas etwas fehlen", unabhängig davon, ob jemand Christ sei oder nicht. "Die Perspektive auf die ganze Menschheitsfamilie" sei ein entscheidender Baustein des christlichen Glaubens für Europa: "Alle Menschen sind Schwestern und Brüder, alle sind Bilder Gottes", sagte Marx. Er kritisierte auch, dass häufig nur negativ über die Europäische Union gesprochen werde. "Alle Länder, die Mitglieder der EU wurden, haben wirtschaftlich und politisch einen Schritt nach vorn gemacht", so Marx.