München, Bad Boll (epd). Als "größten Diebstahl der Menschheitsgeschichte" hat der Kölner Komponist Matthias Hornschuh den Umstand bezeichnet, dass US-amerikanische und chinesische Tech-Konzerne ihre Modelle Künstlicher Intelligenz (KI) mit urheberrechtlich geschützten Werken trainiert haben sollen. Bei einer Tagung über "KI als Partnerin oder Konkurrenz für Kreative" in der Evangelischen Akademie Bad Boll bei Göppingen forderten Vertreter von Berufsverbänden faire Vergütungen, Respekt vor Verarbeitungs-Verboten ("Opt out") sowie die verbindliche Kennzeichnung KI-generierter Produkte, wie die Akademie am Montag mitteilte.

Die Münchner Medienrechtsanwältin Sabine Richly bezeichnete den jüngsten Sieg der GEMA gegen das US-amerikanische KI-Unternehmen OpenAI im Prozess um die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke als wegweisend. Das Urteil zeige aber auch, wie schwierig der Nachweis einer Urheberrechtsverletzung durch KI-Modelle unter dem geltenden Recht derzeit sei: "Bildlich gesprochen wäre das so, als ob Sie die Verwendung von Eiern im Kuchenteig damit beweisen müssten, dass Sie im fertig gebackenen Kuchen ein ganzes gekochtes Ei am Stück vorzeigen können müssen." Tatsächlich stützten sich KI-Modelle aber auch dort auf urheberrechtlich geschützte Werke, wo diese nicht eins zu eins reproduziert würden.

Richly forderte eine verpflichtende Vergütung für die betroffenen Rechteinhaber. Diese müsse in Lizenzlösungen für das Training von Modellen, aber auch in einer zusätzlichen Abgabe für KI-Produkte ähnlich der Privatkopievergütung bei digitalen Speichermedien bestehen, für die die Hersteller eine pauschale Abgabe an die Verwertungsgesellschaften der Rechteinhaber abführen müssen.

"Das Netz muss neu erfunden werden"

Die ehemalige Bremer Kultursenatorin und Europa-Abgeordnete Helga Trüpel (Grüne) bezeichnete frühere Bemühungen von Netzaktivisten um die Freiheit des Internets als gescheitert: "Die Zeit des hippy, happy Internet ist vorbei!" Von unregulierter Freiheit profitiert hätten Tech-Giganten, die kleinere Konkurrenten leicht aus dem Markt hätten drängen können und denen die Nutzer weltweit jetzt ausgeliefert seien. Datenmissbrauch, schlechte oder keine Vergütung von Urhebern, Fake News, Hate Speech und Steuerversäumnisse seien die Konsequenzen: "Das Netz muss neu erfunden werden: mit neuen Regeln, neuen Produkten und neuen Angeboten", forderte die Politikerin: "Hier muss die Europäische Union eine Rolle spielen!"