Dachau, Nürnberg (epd). Die Lagergemeinschaft Dachau hat die Verleihung des Nürnberger Menschenrechtspreises an die israelisch-palästinensische Versöhnungsinitiative "Parents Circle - Families Forum" (PCFF) ausdrücklich begrüßt.

Die Aktivisten der Organisation durchbrächen mit ihrem Denken und Handeln ihre eigene Gewaltgeschichte, sagte Ernst Grube, Holocaust-Überlebender und Präsident der Lagergemeinschaft, in einer Pressemitteilung. "Aus tiefster, schmerzhafter Verlusterfahrung lassen sie nicht zu, dass ihr Schmerz benutzt wird, um Israelis und Palästinenser weiter zu verfeinden", so Grube, der an der Preisverleihung am Sonntag (21. September) in der Nürnberger Oper teilnehmen wird.

Der Parents Circle ist seit 1995 aktiv. Mittlerweile seien über 800 Familien beider Seiten engagiert, auch viele Hinterbliebene des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 und des darauf folgenden Kriegs in Gaza. Es gebe wohl keine andere Organisation auf der Welt, "die es bedauert, neue Mitglieder zu 'gewinnen', denn ihre 'Eintrittskarte' ist der tragische Verlust eines Familienmitglieds", schreibt die Lagergemeinschaft, die 1946 von ehemaligen Häftlingen des KZ Dachau gegründet wurde und seit 1986 ein eingetragener Verein ist. Doch "anstatt die Gegenseite zu hassen und Rache zu verüben", reichten sich die Familien im Parents Circle die Hand und verwandelten durch den Dialog ihren Schmerz in Hoffnung. Die Lagergemeinschaft Dachau unterstütze "den friedensbildenden und Demokratie fördernden Ansatz des Parents Circles und dessen klare Botschaft der Menschlichkeit".

An der Wahl des Preisträgers hatte es nach Bekanntwerden zunächst auch Kritik gegeben. So hatte die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Nürnberg erklärt, dass die Initiative Parents Circle die Opfer des Terrorismus mit den Opfern unter den Terroristen gleichsetze. Oberbürgermeister König hatte die Entscheidung dagegen verteidigt: "Wir suchen Brückenbauer." König ist ebenso wie die Schauspielerin Iris Berben Mitglied der Jury.

Am Morgen der Preisverleihung lädt der Rat der Religionen Nürnberg um 9.30 Uhr zu einem multireligiösen Friedensgebet am Kubus der Religionen an der Frauentormauer ein. Das gemeinsame Gebet solle "ein starkes Zeichen setzen für Verständigung, Respekt und den gemeinsamen Wunsch nach Frieden", teilte der Rat mit.

Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis wird seit 1995 alle zwei Jahre verliehen. Er soll laut Satzung ein Symbol dafür sein, dass von der ehemaligen Stadt der menschenverachtenden NS-Rassegesetze "nur noch Signale des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen". Er wird an Einzelpersonen oder Gruppen vergeben.