München (epd). Für Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sind die Schändungen und Zerstörungen von jüdischen Geschäften, Wohnungen und Synagogen in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 "immer wieder von Neuem unfassbar". Dass "Menschen zu solch niederträchtigem Handeln fähig" sein "und jede Menschlichkeit einfach hinter sich lassen" konnten, sei unbegreiflich, sagte der evangelische Theologe in einem am Mittwoch im Netzwerk "Facebook" veröffentlichten Video.

Bedford-Strohm erinnerte an die Worte aus dem Psalm 74 (8/10), die ihn jeweils am 9. November besonders berührten: "Sie sprechen in ihrem Herzen: Lasst uns sie plündern! Sie verbrennen alle Häuser Gottes im Lande. (...) Ach Gott, wie lange soll der Widersacher schmähen und der Feind deinen Namen sogar verlästern?" Er sei auf die Worte aus aus dem biblischen Psalm besonders aufmerksam geworden, weil sie Dietrich Bonhoeffer mit den Ereignissen vom 9. November verbunden habe, sagte er.

Der Landesbischof sagte, er spreche diese Wort aus dem Psalm 74 an diesem Gedenktag zu den Ereignissen in der Reichspogromnacht mit: "Und ich füge hinzu: Wenn Juden in unseren Tagen von menschenverachtenden Antisemiten bedroht werden mit, dann stehen wir an ihrer Seite."

Mit der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 gingen die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen die jüdische Minderheit im Dritten Reich über. Vielerorts brannten die Synagogen und jüdischen Gebetshäuser. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und jüdische Bürger misshandelt. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass mehr als 1.300 Menschen getötet und mindestens 1.400 Synagogen in Deutschland und Österreich stark beschädigt oder zerstört wurden.