Augsburg, Frankfurt a.M. (epd). In der indigenen Literatur Kanadas spielen Land und Natur nach Angaben der Literaturwissenschaftlerin Katja Sarkowsky eine sehr starke Rolle. Allerdings sei die Erfahrung von Natur immer ortsgebunden und eingebunden in die Geschichte der Gemeinschaft, sagte die Augsburger Amerikanistik-Professorin dem Evangelischen Pressedienst (epd). So seien das angestammte Land und die Vertreibung daraus wichtig, "auch in dem Sinne, dass wieder politische Kontrolle über das Land gewonnen wird". Kanada ist in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.

In Richard Wagameses soeben auf Deutsch erschienenem Roman "Der gefrorene Himmel" etwa ziehe ein indigener Junge, der in einer Missionsschule aufwächst und leidet, an den Ort der Vorfahren, um zu seiner eigenen Identität und Geschichte zu finden. "Die Natur bedeutet sehr oft auch Präsenz von Ahnen oder mythischen Figuren", erklärte Sarkowsky. Der Mensch sei in einer "fast kosmologischen Einbindung" Teil von ihr, stehe jedenfalls in einem "sich gegenseitig kümmernden Bezug zur Natur". Diese Balance müsse in Ritualen und im Erzählen von Geschichten immer wieder erneuert werden.

Damit sei zugleich der Unterschied zu Naturerfahrung der europäischen Einwanderer und ihrer Nachkommen beschrieben, sagte die Nordamerika-Expertin. "Die Natur als potentiell spirituelle Kraft ist immer gebunden an die Gemeinschaft." Es gebe nicht die individuelle, pantheistische Erfahrung der Natur, sondern immer "einen größeren Zusammenhang im Bewusstsein von Community und Geschichte".

Sarkowsky verwies zugleich auf eine starke Diversität auch innerhalb der Literatur der kanadischen "First Nations" sowie der Inuit und Métis. Sie wolle dem Klischee des naturverbundenen, ökologischen Ureinwohners vorbeugen, sagte die Wissenschaftlerin. Es gebe auch indigene "Stadtliteratur", allerdings sei die Zentrierung auf das Land schon sehr ausgeprägt.

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