München (epd). Die weltweite Aufforstung zugunsten des Klimas birgt laut einer Studie zahlreiche soziale Risiken. Demnach sind geschätzt drei Viertel der Möglichkeiten, durch neue Wälder CO2 zu binden, durch soziale und institutionelle Hürden beschränkt, wie die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) am Freitag in München mitteilte. Armut, Ernährungsunsicherheit, unsichere Landrechte und schwache Verwaltungsstrukturen seien die größten Hindernisse.
Das Schaffen neuer Wälder (Aufforstung) und das Wiederherstellen verlorener Wälder (Wiederaufforstung) haben laut LMU dazu beigetragen, die weltweite Waldfläche bislang um mehr als 300 Millionen Hektar zu vergrößern. In den vergangenen zehn Jahren wurden dadurch geschätzt rund 2,2 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre gebunden. Dies entspreche in etwa den jährlichen CO2-Emissionen in der Europäischen Union.
Aufforstung konkurriert mit Lebensgrundlagen vor Ort
Die Aufforstung konkurriere jedoch mit der Nahrungsmittelproduktion und den Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort, hieß es. Zudem hänge der Erfolg der Maßnahmen von den Landnutzungsrechten und von Institutionen ab, die die Projekte langfristig schützen können.
Die Studie unter Leitung des LMU-Geographen Wenkai Bao zeigt zudem, dass es die Aufforstung erschwert, wenn die forstwirtschaftliche Infrastruktur begrenzt und die Unterstützung durch lokale Akteure mangelhaft ist. Während die Anlage neuer Wälder in Europa und China auf relativ geringe Hürden stoße, seien diese in Afrika, Indien und Brasilien deutlich größer.
Aufforstung mit Stärkungs-Maßnahmen verbinden
Glaubwürdige Klimastrategien müssen Bao zufolge die Aufforstung mit Maßnahmen verbinden, die Lebensgrundlagen, Rechte und Institutionen stärken. Würden diese sozialen Bedingungen ignoriert, könne dies die Bepflanzung scheitern lassen und zu Konflikten oder noch größerer Not führen.
Das LMU-Team vereinte Fachwissen aus Natur- und Sozialwissenschaften und kombinierte Erkenntnisse aus Fallstudien mit KI-Analysen globaler Datensätze, hieß es. Die Studie, erschienen im Fachmagazin "One Earth", liefere eine globale Einschätzung darüber, wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen die Aufforstungsarbeit beschränken.
Um Treibhausgasneutralität zu erreichen, muss die Weltgemeinschaft laut LMU-Geografin Julia Pongratz bis 2050 mindestens dreimal soviel CO2 aus der Atmosphäre entfernen wie heute. Die Ausweitung der Waldfläche werde dabei die entscheidende Rolle spielen, während zugleich technologische Möglichkeiten weiterentwickelt würden. Allerdings könnten neue Wälder umfassendere Klimaschutzmaßnahmen und Nachhaltigkeitsstrategien nur ergänzen, nicht ersetzen.