München, Berlin (epd). Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) erinnert gemeinsam mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und den Rundfunkanstalten Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und Bayerischer Rundfunk (BR) an die Opfer von nationalsozialistischem Kunstraub. Anhand von Restitutionsfällen würden vergessene Lebensgeschichten jüdischer Menschen erzählt, teilten Staatsgemäldesammlung und SPK am Donnerstag mit. Geplant sei eine eigene Projektwebseite als multimediale "Mediathek der Erinnerung".

Gefördert von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) werden vom BR und dem RBB jeweils 15 kurze Filme gedreht, beispielsweise über das Schicksal jüdischer Kunstsammler im Nationalsozialismus und über die Ermittlungen von Provenienzforscherinnen und -forschern. Roth sagte bei der Vorstellung des Projekts "Kunst, Raub und Rückgabe", hinter jedem geraubten Kunstwerk stünden "die Lebensgeschichte und das erlittene Unrecht eines Menschen". Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der Würzburger Josef Schuster, sagte, das Projekt sei wichtig, "damit Erinnerung nicht verblasst".

SPK-Präsident Hermann Parzinger erinnerte daran, dass in den vergangenen 25 Jahren viele Einrichtungen in Deutschland Kunstwerke und Bücher restituiert hätten: "Aber es bleibt noch sehr viel zu tun." Bernhard Maaz, Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen, betonte den Gedanken, die Provenienzforschung "nicht allein auf die zu restituierenden Objekte zu beziehen", sondern auch auf die Schicksale der einstigen Eigentümer. Berlin als "Hauptstadt des Deutschen Reichs" und München als "Hauptstadt der Bewegung" hätten "mehr als viele andere Städte Anlass, diese Themen aktiv aufzuarbeiten", erläuterte Maaz.

RBB-Intendantin Katrin Vernau, sagte, im Rahmen des Projekts werde die Möglichkeit gegeben, jüdische Kunstsammlerinnen, Mäzene und Bürger kennenzulernen, die damals das kulturelle Leben geprägt hätten und deren Namen heute kaum bekannt seien. Die Leiterin des BR-Programmbereichs Kultur, Ellen Trapp, sagte, der BR freue sich, gemeinsam mit den anderen Projektpartnern einen Beitrag zur Erinnerungsarbeit leisten zu können. Die Lebensgeschichten der von den Nazis verfolgten, ihrer Kunstwerke beraubten und oft ermordeten Menschen "sollen durch unsere Filme auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben".