Neuendettelsau, Nürnberg (epd). Geraldo Grützmann, Brasilienreferent von Mission EineWelt, ist erleichtert über das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Brasilien, teilte die Missionsgesellschaft am Dienstag mit. Eine Fortsetzung der Ära Bolsonaro hätte in den Augen Grützmanns insbesondere für den Amazonasregenwald "das Ende" bedeutet. "Vier weitere Jahre mit Bolsonaro als Präsident wären eine Katastrophe gewesen", sagte der Brasilienreferent laut Mitteilung.

Dass der frühere Präsident Lula da Silva mit einem Unterschied von etwa zwei Millionen Stimmen bei fast 120 Millionen abgegebenen gültigen Stimmen gewonnen hat, zeige jedoch, wie stark die brasilianische Gesellschaft polarisiert sei, so die Mitteilung weiter. Es werde für Lula "nicht einfach, dieses Land zu regieren", sagte der Theologe. Dennoch überwiege die Hoffnung, dass Lulas angekündigter Kurs der Versöhnung erfolgreich sein werde.

Auf einem guten Weg sieht Geraldo Grützmann die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (Igreja Evangélica de Confissão Luterana no Brasil, IECLB). Sie sei bei der Präsidentschaftsfrage ebenso gespalten gewesen wie die brasilianische Gesellschaft insgesamt. "Die Erleichterung in der IECLB ist groß. Die Kirchenleitung hat einen Versöhnungsprozess begonnen", sagte Grützmann. Bis jetzt habe dieser Prozess durch Gegenwind aus der Bolsonaro-Regierung gelitten. Dies werde jetzt nicht mehr der Fall sein. "Die Versöhnung wird leichter", meint der Theologe.

Zunächst laute die entscheidende Frage, ob Bolsonaro das Wahlergebnis anerkennen wird. "Ich habe bisher mehr Bolsonaro-Anhänger gesehen, die zwar enttäuscht waren, aber das Wahlergebnis nicht in Frage gestellt haben. Das macht mir Hoffnung", sagte Grützmann. Zudem seien viele, die sich zu Bolsonaros Zeiten zurückgezogen hätten, jetzt auf die Straße gegangen. Es herrsche eine andere Stimmung im Land. "Aber wenn Bolsonaro jetzt mit der Botschaft, Lulas Sieg sei Wahlbetrug gewesen, an die Öffentlichkeit geht, kann es gefährlich werden", so der Theologe.