Starnberg (epd). Der österreichische Film "Mother's Baby" der Regisseurin Johanna Moder ist am Sonntagabend in Starnberg mit dem Fünf Seen Filmpreis international ausgezeichnet worden. In der Jurybegründung heißt es laut Mitteilung, im Film gehe es "um Mutterschaft, um die Ansprüche an sich selbst in einer auf Perfektion drängenden Welt, es geht um Wahrnehmung und Wirklichkeit". Auf eine "intensive und hochkomplexe Art" stelle "Mother's Baby" Fragen. Außerdem hob die Jury besonders die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Marie Leuenberger hervor. Erzählt wird die Geschichte der 40-jährigen Dirigentin Julia. Bei der Geburt ihres Babys kommt es zu Komplikationen, das Baby wird umgehend zur Notversorgung gebracht. Als Julia es am nächsten Tag in den Händen hält, fremdelt sie mit dem Neugeborenen - und bald hat sie Zweifel, ob es wirklich ihr Kind ist. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.
Der mit 4.000 Euro dotierte Dokumentarfilmpreis ging an den in Polen lebenden indischen Filmemacher Arjun Talwar für seinen Film "Briefe aus der Wilcza", in dem er seine Nachbarschaft porträtiert. Eine Straße im Herzen von Warschau und ihre Bewohner würden "zum Spiegelbild einer Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Offenheit und Abgrenzung" urteilte die Jury. "Mit Respekt und Empathie schafft Arjun Talwar ein lebendiges, liebevolles und zugleich subtiles Plädoyer für Menschlichkeit und das Zusammenleben auf Augenhöhe."
Als bester Spielfilm wurde der deutsch-italienische Film "Paternal Leave" von Regisseurin Alissa Jung geehrt. Er handelt von der 15-jährigen Leo, die in Deutschland ohne Vater aufgewachsen ist. Als sie von seiner Identität erfährt, macht sie sich auf die Suche nach ihm und findet ihn in einer geschlossenen Strandbar an der winterlichen Küste Norditaliens. "Mit großem handwerklichen Geschick, viel Herz und klugen Dialogen erzählt die Regisseurin eine komplexe Vater-Tochter-Beziehung", heißt es in der Jurybegründung. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.
Den mit 1.000 Euro dotierten "Short Plus Award" erhielt der Film "Som Doma" von Luca-Els Mauritz und Lukas Mutschler über zwei junge Sorbinnen, der ebenfalls mit 1.000 Euro dotierte Kurzfilmpreis "Goldenes Glühwürmchen" ging an "Rückblickend betrachtet" von Mila Zhluktenko und Daniel Asadi Faezi über die Geschichte des Olympia-Einkaufszentrums in München. Den Video-Art-Kurzfilmpreis im Wert von 500 Euro erhielten Felizitas und Theresa Hoffmann für "Love at first byte".
Am morgigen Dienstag wird zum Abschluss der Publikumspreis im Kino Breitwand Gauting verliehen. Das Fünf Seen Filmfestival findet traditionell in Starnberg, Gauting, Schloss Seefeld und Weßling statt. Gezeigt wurden seit 9. September mehr als hundert der besten mitteleuropäischen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme des Jahres.