München, Fürth (epd). Der leichte Rückgang beim Flächenverbrauch in Bayern ist laut Landesbund für Vogelschutz (LBV) noch kein Grund zum Jubeln. "Der Wert schwankte in den vergangenen zehn Jahren stets zwischen zehn und zwölf Prozent", erklärte LBV-Geschäftsführer Helmut Beran in einer Mitteilung vom Mittwoch. Laut Landesamt für Statistik lag der Flächenverbrauch im Freistaat im Jahr 2024 bei durchschnittlich 9,8 Hektar am Tag, das entspricht einer Größe von 14 Fußballfeldern - 2023 waren es noch 12,4 Hektar (17 Fußballfelder). Eine Trendwende sei nicht zu erkennen, kritisierte Beran: "Von ihrem selbst gesteckten Ziel von fünf Hektar pro Tag bis 2030 ist die Staatsregierung noch immer meilenweit entfernt." Konkrete Maßnahmen, um Flächenfraß wirksam zu senken, gebe es nicht.
Der LBV forderte den Freistaat auf, "mit gutem Beispiel voranzugehen und endlich keine öffentlichen Wälder mehr für Gewerbegebiete zur Verfügung zu stellen". Stattdessen kämen im Landkreis Schwandorf derzeit Teile eines Trinkwasserschutzgebiets und Teile eines Klimaschutzwalds für neue Gewerbegebiete unter den Bagger. "Das ist noch immer die betonharte Realität", sagte Beran.
Auch die Landtags-Grünen übten Kritik am Flächenverbrauch in Bayern. Ursula Sowa, Sprecherin für Bau, bezeichnete den Rückgang als "viel zu klein". Statt immer weiter neue Flächen zu erschließen, sei eine konsequente Bauwende nötig: "Umbau statt Neubau, Sanierung statt Abriss, Innenentwicklung statt Flächenausdehnung." Das schütze Ressourcen und stärke Städte und Gemeinden von innen heraus.
Der Begriff des Flächenverbrauchs umfasst laut Statistikamt neben Siedlungs- und Verkehrsflächen auch Grün- und Freiflächen, wie beispielsweise Hofräume oder Spielplätze. Flächenverbrauch sei deshalb nicht mit Versiegelung gleichzusetzen. Insgesamt nahmen Siedlungen und Verkehrsflächen in Bayern zum Stichtag 31. Dezember 2024 rund 874.000 Hektar ein, was 12,4 Prozent der bayerischen Landesfläche entspricht. Damit nahm die bebaute Fläche im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent zu.
Knapp 46 Prozent der Landesfläche Bayerns wird laut Mitteilung landwirtschaftlich genutzt. Gut 35 Prozent bestehen aus Wald. Verkehrsinfrastruktur macht knapp 5 Prozent der Landesfläche aus, der Wohnbau nimmt 3 Prozent ein. Knapp 2 Prozent bestehen aus Industrie- und Gewerbeflächen. Rund 39 Prozent des Zuwachses bei Siedlungs- und Verkehrsflächen geht auf neue Versorgungsanlagen zurück, insbesondere auf Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen.