München (epd). Mit einer Plakatkampagne wollen die Frauenhilfe München und der Wohnkonzern Vonovia auf das Thema "Häusliche Gewalt" aufmerksam machen. Unter dem Motto "Nebenan knallt's - was kann ich tun?" wolle man betroffene Frauen, aber auch ihre Nachbarschaft mithilfe von Plakaten und Postkarten auf Hilfsmöglichkeiten hinweisen, sagte Claudia Heyne von der Frauenhilfe München bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Außerdem biete Vonovia an, Wohnungen an Frauen zu vergeben, die nach ihrer Zeit im Frauenhaus eine neue Unterkunft bräuchten. Das sei angesichts des angespannten Mietmarkts in München eine große Hilfe: "Wir suchen ständig Wohnungen", sagte Heyne.
Das Angebot der Wohnungsvermittlung sei verbindlich, betonte die Münchner Regionalleiterin des Konzerns, Andrea Günther. "Für ein Viertel unseres Bestands, der öffentlich gefördert ist, hat ohnehin die Stadt das Belegungsrecht. Für die Frauen, die über die Frauenhilfe kommen, versuchen wir, etwas passendes im übrigen Bestand zu finden." Vermietet würden die Wohnungen zum ortsüblichen Preis, in den meisten Fällen übernehme die Sozialhilfe die Miete.
Postkarten in 6000 Briefkästen
Die Plakate der Kampagne sollen in den rund 6000 Wohnungen, die Vonovia in und um München vermietet, dauerhaft in den Treppenhäusern ausgehängt, die Postkarten in alle Briefkästen geworfen werden. Die Idee sei erstmals 2022 in Kooperation mit dem Frauenhaus Konstanz umgesetzt worden, erklärte Unternehmenssprecher Olaf Frei. Seither seien weitere Städte wie Stuttgart, Wiesbaden und Frankfurt hinzugekommen.
Das Thema "Häusliche Gewalt" sei aktueller denn je: Im Jahr 2024 seien laut Bundeskriminalamt in Deutschland über 265.000 Menschen Opfer von psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalt in den eigenen vier Wänden geworden, hieß es weiter. Für Bayern registrierte das Landeskriminalamt (BLKA) im Jahr 2024 rund 27.200 Fälle.