Augsburg (epd). Theaterintendant Christian Stückl sieht in der Kirche heute "weder sozial noch moralisch ein Vorbild". Seinem Gefühl nach sei der Abstand zwischen der Kirche und den Erzählungen von Jesus "noch einmal um einiges größer" geworden, sagte der Oberammergauer Passionsspielleiter der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Vor zehn Jahren habe ich mich über Kirche noch aufgeregt und jetzt merke ich, sie ist mir wurscht."

Im Hinblick auf die 2030 stattfindenden Passionsspiele sprach Stückl von der Herausforderung, die Geschichte von den letzten Tagen im Leben Jesu so zu erzählen, dass sie auch junge Menschen erreicht. Gleichzeitig sehe er, dass Aufführungen wie "Joseph und seine Brüder", "David" und "Jessaiah" unter seiner Regie das Passionstheater füllen. "Ich habe das Gefühl, dass hier schon speziell das Religiöse gesucht wird", so Stückl.

1987 wurde der heute 63-jährige Stückl zum damals jüngsten Spielleiter der Passionsspiele in seinem Heimatort Oberammergau ernannt. Alle zehn Jahre stellen Laienschauspieler aus dem Ort darin die Passionsgeschichte nach. Für seine Arbeit wurde Stückl vielfach ausgezeichnet.