München (epd). Jeder vierte Pflegeheimbewohner der Diakonie München und Oberbayern ist auf Sozialhilfe angewiesen. "In unseren elf Einrichtungen mit rund 1.500 Pflegeplätzen übernimmt die 'Hilfe zur Pflege' für 24,12 Prozent der Bewohner unterschiedlich hohe Teile des Eigenanteils", erklärte Dirk Spohd, der bei der Diakonie München und Oberbayern die 'Hilfe im Alter' leitet, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Rund drei Viertel könnten den Eigenanteil für die stationäre Pflege selbst stemmen, "wenn sie - wie es das Gesetz verlangt - ihr Einkommen, ihre Ersparnisse und ihr Vermögen einbringen". Allerdings steige die Zahl der Menschen, die finanzielle Unterstützung bräuchten, stetig an.

Jüngste Zahlen des AOK-Bundesverbands beziffern den monatlichen Eigenanteil für die stationäre Pflege auf mittlerweile 3.204 Euro im bundesweiten Durchschnitt - das sind 112 Euro mehr als noch im ersten Halbjahr 2025. Für Bayern liege der durchschnittliche Eigenanteil bei 3.196 Euro pro Monat. Wer sich das nicht leisten kann, muss Sozialhilfe beantragen. Im Jahr 2024 haben das im Regierungsbezirk Oberbayern 15.310 Menschen getan, wie eine Sprecherin auf epd-Anfrage mitteilte. Dafür habe der Bezirk 2024 rund 197 Millionen Euro ausgegeben. Für das Jahr 2025 erwarte man ein Ergebnis von 227,4 Millionen Euro für 15.970 Berechtigte, 2026 könnten die Ausgaben Hochrechnungen zufolge bei 249,2 Millionen Euro liegen.

Kostenblöcke anders verteilen

Die steigenden Kosten haben laut Dirk Spohd mehrere Gründe. So schlage der berechtigte und erfolgreiche Kampf für bessere Gehälter und Tarifbindung in der Pflege "zu hundert Prozent bei den Bewohnern auf". Das Gleiche gelte für die gestiegenen Preise bei Energie und Lebensmitteln. Vorgaben für mehr Einzelzimmer und Barrierefreiheit hätten in den letzten Jahren bei den Investitionen für höhere Kosten gesorgt - auch sie würden im jetzigen System auf die Bewohner umgelegt, ebenso wie die Ausbildung des Pflegenachwuchses.

Für Entlastung könnte "die seit Jahren diskutierte Idee des Sockel-Spitze-Tausches" sorgen, sagte Spohd. Dabei zahle der Bewohner einen festen Sockelbetrag und die Pflegeversicherung den Rest. Private Zusatzversicherungen seien ebenfalls eine Option, allerdings müsse man "sehr genau lesen, was die Policen im Einzelnen abdecken". Und die öffentliche Hand könne die Ausbildungskosten übernehmen. Für eine Reform des Pflegesystems müsse man all diese Punkte betrachten und alle Bereiche der Pflege - von ambulant bis stationär - "gemeinsam denken". "Die Gretchenfrage an uns alle ist: Was ist uns gute Pflege wert?", betonte Spohd.